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Spurensuche Die Männer von 14-18 Friedhöfe Dies und Das Links |
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Vorwort oder-
warum das alles?
Ich weiß heute nicht mehr
genau, wann ich das Museum am Lingenkopf (Colet Du Linge) im Elsaß
zum erstenmal besuchte. Sicher weiß ich, daß damals das heutige
Museumsgebäude noch nicht existierte, ich erinnere mich an eine recht
kleine Holzhütte, bis unters Dach gefüllt mit Fund- und Ausstellungsstücken
aller Art. Unwillkürlich assoziiere ich: Rost! Gewehre und andere
Waffen, alte Helme, Granaten und Granatsplitter, Uniformen, Werkzeuge,
Stacheldraht sehe ich noch vor mir.
Damals war ich ein Kind, warum
da all die Dinge in der Hütte waren, was es mit all den Gräben,
Bunkern und Kreuzen auf dem Museumsgelände auf sich hatte, ganz klar,
ich verstand es zu jener Zeit nicht.
Dennoch muß dieser mein erster
Besuch am Lingenkopf und im Munstertal in gewisser Hinsicht eine enorme
Faszination auf mich ausgeübt haben. Wie sonst wäre es zu erklären,
daß ich bis heute in unregelmäßigen Abständen immer
wieder die Region um die Stadt Munster besuchte. Sei es, um dort schlicht
und ergreifend Urlaub zu machen, sei es, um mit Kamera, Diktiergerät,
Taschenlampe oder Notitzbuch ausgerüstet die allgegenwärtigen
Spuren der Kämpfe in den Jahren 1914-1918 zu erkunden.
Kaum möglich, hier eine Bergwanderung
zu unternehmen, einen Tag am Badesee zu verbringen, ohne zwangsläufig
eben auf jene Überbleibsel des 1.Weltkrieges zu stoßen. Unmengen
von Gräben, ein Bunker am Wegesrand, hier ein Soldatenfriedhof, dort
ein Gefallenendenkmal. Kuhweiden umzäunt mit Kriegsstacheldraht, mitten
im Wald ein halb verschüteteter Stolleneingang, immer mal wieder ein
mehr oder weniger großer Granatsplitter im Schotter des Weges. Und
dann natürlich das "Memorial Du Linge".
Eben dort stehe ich also bei einem
meiner Besuche, fotographiere eine Tafel die anzeigt, wo im Juli 1915 die
erste deutsche Linie verlief, plötzlich hüpft neben mir ein kleines
Mädchen aus dem ehemaligen Kampfgraben und ruft halb erstaunt, halb
belustigt: "Mutti, schau mal, ein Zaun als Dach, da regnet es doch rein!"
Ein anderes mal, als das Touri-Tonband von Nahkämpfen mit Spaten und
Handgranaten berichtet, sagt seine Frau wie zu sich selbst: "Mein Gott,
die gingen wie Tiere aufeinander los."
Unbegreiflich, was damals an dieser
heute so friedlichen Bergkette vor sich ging. Kaum, daß man heute
die aus militärischer Sicht technischen und baulichen Erfordernisse
versteht. Noch weniger, so scheint es, können wir heute nachvollziehen,
welche Auswirkung das Leben, Kämpfen und Sterben in Unterstand und
Graben auf die hier kämpfenden Soldaten beider Seiten hatte. Wurden
sie wirklich zu Tieren, der Landwirt aus Memmingen und der Pfarrersohn
aus Lyon? Geschah nicht vieles von dem Unvorstellbaren schlichtweg deshalb,
weil sie versuchten zu verteidigen, was jedem Menschen, damals wie heute,
das höchste Gut bedeutet - das eigene Leben? Sie, der kriegsfreiwillige
Student aus Avignon, der Schreiner aus Augsburg.
Heute ist es relativ leicht, die
militärhistorischen Vorgänge jener Tage chronologisch in ihren
Abläufen nachzuvollziehen. Diesbezügliches Material bietet das
Museum sauber recherchiert, ob Buch oder Videofilm, dem interessierten
Besucher zum Kauf. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums- vereins
habe ich immer als sehr freundlich und hilfsbereit erlebt, wofür ich
mich auch an dieser Stelle bedanken will. Eben aus jenen Gründen ist
es nicht Ziel dieser Web-Site, in Form von Zeittafeln und Lageplänen
den Verlauf der Kämpfe in dieser Region nachzuskizzieren. Vielmehr
interessiert mich kurz gesagt der Mensch hinter dem historischen Ablauf.
Eine direkte Befragung dieser ehemaligen Soldaten
ist heute wohl kaum noch möglich.
Somit kann versucht werden, z.B. mittels Literaturrecherche oder
der Auswertung von Feldpostbriefen
ansatzweise einen Einblick in das Fühlen, Denken und Handeln
jener französischen und deutschen
Männer zu erhalten, die damals hier ein Stück Geschichte schrieben.
Natürlich steht es außer Frage, daß die Schilderung der
Kämpfe, wie sie z.B. in Regimentsgeschichten oder in offiziellen Tagebüchern
vorzufinden sind, doch recht einseitig und sehr vom Patriotismus
geprägt sind. Werke dieser Art, die in Deutschland erst Mitte der
dreißiger Jahre erschienen, sind darüber hinaus oftmals regelrecht
braun-propagandistisch eingeschmiert. In Sachen Feldpost kommt neben der
Tatsache, daß infolge der vorhandenen Zensur wahre Befindlichkeit
oft nicht schriftlich formuliert wurde erschwe- rent noch hinzu, daß
es schlichtweg nicht einfach ist, heute Feldpostbriefe oder -karten zu
finden, welche von in eben jener Region stehenden Soldaten geschrieben
wurden.
Dennoch würde ich dieses Experiment gerne wagen, indem ich einfach versuche, z.B. alte Bilder neuen Fotos gegenüberzustellen, alte Texte mit neuen Bildern zu untermahlen oder aber umgekehrt alte "Originalbilder vom Kriegsschauplatz" mit schriftlich formulierten Beobachtungen heutiger Tage des selben Ortes zu versehen. Ich begreife somit diese Web-Site als eine Art Stück für Stück wachsendes Projekt. Richtung, Ende und Ausgang ungewiß. Über Anregungen, Kritik und Hilfestellung jedweder Art wäre ich sehr dankbar. Ganz besonders würde ich mich über Informationen freuen, die die Kämpfe im Tal der Fecht, speziell um Metzeral, am Reichackerkopf, am Hilsenfirst und eben am Lingenkopf auch aus französischer Sicht schildern. Eine einseitige Berichterstattung soll auf jeden Fall vermieden werden, wenngleich es natürlich für mich wesentlich einfacher ist, deutsche Quellen ausfindig zu machen und diese zu analysieren.
Auch wenn die Kämpfe an der Linge-Front zunächst einen Schwerpunkt dieser Site bilden, werde ich mich auch um Material zu anderen Kampfabschnitten an der Vogesenfront bemühen um diese gege- benefallls veröffentlichen. Ganz bewußt möchte ich meinen Fotoberichten über Soldatenfriedhöfe in der Region Lingenkopf / Münstertal einen großen Stellenwert einräumen. Sicherlich zunächst einfach zum Gedenken an die vielen vielen Gefallenen auf beiden Seiten. Allerdings darüber hinaus auch, um auf diese Weise gleich von Beginn an klarzustellen, daß hier die Vergangenheit nicht glorifiziert, keine Form der Kriegsverherrlichung betrieben werden soll!
Sie, die gefallenen deutschen und
französischen Soldaten und ihre Gräber sind mahnende Zeugen dessen,
was das im Museum erhältliche Begleitbuch beschreibt als
Das Drama des Lingenkopfes