Beim
Landwehr Infanterie Regiment Nr.2
am Schratzmaennele
Neben dem Blockhaus am Gipfel des Schratzes gehörten
die beiden Steinbrüche im Rahmen der Kämpfe von 1915 zu den strategisch
wichtigen Punkten an jenem Berg und standen somit immer wieder im Mittelpunkt
des Geschehens. Vom Parkplatz am Colet du Linge, vorbei am Jägerdenkmal,
führt ein Weg am Kamm entlang hoch zum Gipfel des Schratz. Ein unscheinbarer
Wegweiser gibt die Richtung zu den "Deux Carrieres Historique Du Schratz",
also den beiden historischen Steinbrüchen jenes Berges, an.
| Im Verlauf des Anstieges entdeckt dann der aufmerksame Beobachter zu seiner Rechten immer wieder zugeschüttete Teile der einstigen Grabenanlage, die Reste (vermutlich nach dem Krieg) zerstörter Bunker, sowie die Eingänge lange schon eingefallener, stollenartiger Unterstände. Längst jedoch hat sich die Natur wieder zurückgeholt, was ihr vor über 80 Jahren von Menschenhand entrissen wurde, hat mit mächtigen Bäumen und üppigem Graswuchs die ihr im Krieg geschlagenen Wunden bedeckt. Nur schwer vorstellbar ist es, daß die schweren Kämpfe des Jahres 1915 diesen heute so friedlich, ja idyllisch wirkenden Berg förmlich in eine Mondlandschaft verwandelt haben. Unterhalb des eigentlichen Gipfels jedoch erinnert eine Gedenktafel an jene Tage, gibt Auskunft darüber, welch Gesicht der Berg damals gahabt haben muß. Es lohnt sich durchaus, dieser Spur zu folgen und dabei einen genauen Blick in die Kriegstagebücher jenes Regimentes zu werfen: |
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Bereits am 08.04.1915 bezogen die Bayern Stellung in einer Linie, die vom Sattel zwischen dem Schratzmann und Barrenkopf bis beinahe Stoßweier reichte. Am 02.05.1915 wurde der zu besetzende Abschnitt um den Südhang des Schratzmaenneles erweitert, bis schließlich am 18.06.1915 die gesamte Stellung am Schratz bis hinab zum Sattel des Lingenkopfes übernommen werden mußte. Daß der zugeteilte Abschnit nicht nur wegen seiner enormen Ausdehnung den bayerischen Soldaten Kopfzer- brechen bereitete, mag aus folgenden Sätzen hervorgehen:
Die neu übernommene Schratzmaennele-Stellung war nicht genügend verteidigungsfähig. Der auf der Höhenlinie des Schratzmaennele verlaufende einzige Kampfgraben hatte keine Schulterwehren und wenige schußsischere Unterstände. Das Hindernis vor ihm war äußerst schwach...Unverzüglich mußte etwas geschehen, um diesen Kompagnieabschnitt, der den Schlüsselpunkt der ganzen Divisionsstellung bildete, verteidigungsfähig zu machen. Hierzu war ein zweiter Kampfgraben anzulegen, da der bis jetzt einzige Graben dem feindlichen Artilleriefeuer zu stark ausgesetzt war. Der Rgts-Kdeur entschloß sich, diesen zweiten Graben gegen den Feind vorzuschieben und an dem Westfuße des Schratzmaennele-Hanges im Wald anzulegen.Von nun an begann der Ausbau des Abschnittes und es entstand ein Teil dessen, was später unter dem Namen "Festung Lingenkopf" in die Geschichte eingehen sollte. Mit welchem Gegner sie es zu tun hatten, das war den Landwehrmännern des Regiments Nr. 2 durchaus bewußt, es handelte sich um französische Alpenjäger. Ebenso war den Bayern klar, daß die Franzosen einen Angriff gegen die Stellung Lingenkopf- Schratzmann vorbereiteten:
(von Hübner, 1923, S.62)
Mitte Juni begann der Feind mit dem Vortreiben von Sappen...Offenbar lagen diesen Arbeiten Angriffs- absichten zu Grunde. Ihre Ausdehnung und das auf sie verwendete reichliche Maß an Arbeitskraft ließen keine andere Deutung zu. Auch die feindliche Artillerietätigkeit wurden an der ganzen Front immer reger.
(von Hübner, 1923, S. 62)
| Mitte Juli war der neue Kampfgraben am Schratzmann nach erheblichen Anstrengungen soweit fertig, daß er ständig besetzt werden konnte. Das rechte Nachbarregiment, das ebenfalls aus Bayern stammende Ldw. Inf. Rgt Nr.1 war zu jener Zeit noch damit beschäftigt, vor der von ihm besetzten Lingenkopfstellung ebenfalls einen vorgeschobenen Graben anzulegen, der jedoch vor dem Angriff der Franzosen nicht fertiggestellt werden konnte, was sich als sehr verhängnisvoll herausstellen sollte. Es war in der Tat so, daß Deutsche und Franzosen in jenen Tagen regelrecht um die Wette bauten, jede Seite in der Bemühung, für die unmittelbar bevorstehenden Ereignisse bestmöglich vorbereitet zu sein: |
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Die Angriffsabsichten des Feindes traten inzwischen immer deutlicher hervor. Er hatte eine nahezu durchlaufende Sturmstellung in den Combe-Grund vor dem Schratzmaennele und in den Glasborn-Sattel, hier etwa 100 bis 200 m an unsere 1.Linie heran, vorgeschoben und baute sie mit Schulterwehren, Unterständen und Sandsackscharten aus. Sein Artilleriefeuer verstärkte sich täglich.Maurice Gintz, ehemaliger Jäger am Lingenkopf (121. BCP) und später erster Präsident des "Memorial du Linge" schrieb in diesem Zusammenhang in seinem Vorwort zu dem Buch "Das Drama des Lingenkopfes 1915" über sein Bataillon, das französische Vorhaben und die entsprechenden Vorbereitungen folgendes:
(von Hübner, 1923, S. 63)
Man konnte auf das Bataillon Meneglier (121. BCP) zählen, bei einem vernünftigen Einsatz. Seine Aus- bildung war perfekt und die Moral sehr hoch. Aber diese Einheit wurde in einen Kampf verwickelt, der nur in einer blutigen Niederlage enden konnte. Ein solches Manöver über die Höhen ist nur dann sinnvoll, wenn es durch einen Überaschungseffekt begünstigt wird. Hier hatte man aber alles getan, um den Gegner zu alarmieren... Das Kommando schätzte, daß unsere Schützengräben zu weit von denen des Gegners entfert waren und befahl, Ausgangsgräben bis dicht an die deutsche Stellung heranzugraben. Jede Nacht, Element nach Element, kamen die Jäger einen Satz nach vorne und gruben sich ein bis in unmittelbarer Nähe der deutschen Stellung. Der Gegner verstand sehr gut unsere Absicht. Im Sektor unserer Vorarbeiten verstärkte er einfach seine Abwehren. Er gab sich sogar noch den Luxus, Tafeln mit der Inschrift "wir warten auf euch" in die Stacheldrähte zu hängen.Als am 19.07. das französische Artilleriefeuer bisher unbekannte Ausmaße annahm, war allen Beteiligten klar, daß der Sturm der Jäger unmittelbar bevorstand. Bemerkenswertes Detail am Rande: das 2. Btl. Ldw.Inf.Regt 1 befand sich als Divisionsreserve zu jenem Zeitpunkt auf dem Exerzierplatz in Colmar, um an einer Truppenbesichtigung teilzunehmen! Trotz mehrmaliger dringender Bitte des Kdeurs des Ab- schnittes am Schratzmaennele, wurde die Reserve zunächst nicht freigegeben. Am 20.07.1915 setzte dann wie erwartete der französische Angriff ein und es begann, was Historiker heute ganz sachlich als die zweite Schlacht um Munster bezeichnen.
(Durlewanger, 1988, S.11/12)
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Deutscher MG-Bunker am Schratz, Vorderseite... ![]()
...Rückseite, Eingang und Nischen für Gurtkästen
Bis zum 15.10.1915 verloren über 17000 Soldaten beider Seiten ihr Leben!
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