Die Geschichte einer Feldpostkarte
Liebe Frau und Kinder.
Mir geht es sehr gut, schick Euch hiermit eine Photographie. Das sind ich und Udo und der kleinste heißt Schön und der lange heißt Schulte. Zeitung von Gestern habe ich erhalten ist in zwei Tagen angekommen. Vielleicht werdet ihr jetzt wohl die anderen Karten erhalten haben.Ende Juli 1915 schrieb der 36-jährige Gefreite Harm Dirksen auf die Rückseite der Feldpostkarte diese Zeilen an seine Frau und die beiden kleinen Kinder nach Emden in Ostfriesland. Er ist der sitzende Mann, vorne im Bild. Die Aufnahme wurde irgendwo in der Nähe von Schlettstadt im Elsass gemacht. Er war, wie alle Soldaten auf dem Foto, damals Angehöriger der 6. Kompanie des hannoverschen Reserve Infanterie Regiments Nr. 74. Nachdem er zunächst in einer anderen Einheit an den Kämpfen in Flandern teilgenommen hatte, war er, im Oktober 1914 verwundet, nach einem mehrwöchigen Lazarettaufenthalt
Bin jetzt wieder bei einer Gewehrgranaten Abteilung, wo ich früher auch schon mal bei war. Da wird man richtig nervös von, aber das wird auch wieder besser wenn man es erst gewohnt ist. Viele Grüße H. Dirksen
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Den Juni - Juli 1915 verbrachte er mit einer Typhusinfektion in einem Seuchenlazarett bei Colmar. Nach seiner Genesung kehrte er zum Regiment zurück, das sich zu dieser Zeit wieder einmal zur Auffrischung in Ruhe befand. Im Grunde gibt das Bild nicht viel an Informationen her. Alle tragen die Uniform der damaligen Zeit, Harm Dirksen und der rechte "Schön" sind Gefreite - sie dienen schon längere Zeit. Udo Dirksen und der linke Soldat "Schulte" sind noch nicht befördert, weil sie frisch ausgebildet beide im April 1915 zum Regiment gekommen sind. Ein ganz normales Soldatenfoto, wenn da nicht diese Gesichter wären. Ich frage mich immer, was haben diese Männer gesehen, was haben sie mitgemacht? Wie konnte man damals mit den Erfahrungen aus 12 Kriegsmonaten fertig werden? Heute kann es sich kaum jemand vorstellen, aber die Augen der Männer sprechen eine deutliche Sprache. Die Ruhezeit des R.I.R. 74 ging wie immer viel zu schnell vorüber. |
Natürlich hatten alle vier Soldaten eigene Kopien der Postkarte erhalten und zwei Wochen später schickte Udo Dirksen die Soldatenaufnahme ebenfalls an seinen Vater und die Geschwister in Visquard / Ostfriesland. Er hatte den Angriff vom 2. August und die darauffolgenden Kämpfe unbeschadet überlebt.
geschr.
d. 17.8.1915
Lieber Vater und Geschwister.
Wir haben uns bevor wir ausrücken noch photografieren lassen, durch
einen von unsere
Komp. Ist nicht viel geworden, aber man ist doch zu erkennen. Ich hatte
die Karte
weggekriegt sonst hätte ich schon eher eine geschickt. Von diesen
4 bin ich noch alleine bei
der Kompanie. Harm gefallen.
Der wo ich das Kreuz über gemacht habe ist verwundet, dann der Schulte
ist auch
verschwunden. Ob tot oder verwundet ich weiß es nicht.
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Über die beiden Kameraden von Harm und Udo ist leider
nichts bekannt. Udo Dirksen kehrte 1918 in seine Heimat zurück und
starb 1964 in Uttum / Ostfriesland. Das Foto links zeigt Udo Dirksen und
Schulte während ihrer Ausbildungszeit im Winter 1914/1915 in Hannover.
In der Gefallenenliste des Reserve Infanterie Regiments Nr 74 steht folgender Eintrag : Gefreiter Friedrich Schön, 6. Kompanie, geboren am 10.11.1878, gefallen am 11.1.1916. Ob es sich hierbei um den Soldaten auf dem Foto handelt, konnte leider noch nicht ermittelt werden. |
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