Für diesen Streifzug durch die Geschichte des Elsaß bedanke ich mich bei Herrn Reiner Gerard,
Spezialist in Sachen "Frankreich per Wohnmobil"!




Geschichtsüberblick Elsass
 

Sie merken es vielleicht schon an meiner unentschlossenen Schreibweise Elsass/Alsace, dass hier einiges los war.
Weite Teile sind deutsche Geschichte und heute fühlen sich die Elsässer  weder als Deutsche noch als Franzosen
sondern bilden eher einen Teil der alemannischen Völkerschaft (mit französischer Nationalität), die auch in Schwaben
und der Schweiz zu Hause ist. Ich selbst sehe es als europäisches Kernland und wichtiges Bindeglied zwischen zwei
Nationen an.

Die Region war schon immer Grenz- und Durchgangsland aufgrund ihrer verkehrstechnischen Lage. Selbst in der
Steinzeit war der Rhein eine beliebte Wasserstraße und an seinen Ufern lagen zahlreiche Siedlungen. Später bewohnten
die Kelten der la-Tene-Kultur die Gegend.  Ein Einfall "alemannischer" Stämme brachte Caesar auf den Plan und in
seinem Gefolge die Zugehörigkeit zum imperium romanum für die nächsten Jahrhunderte.

Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. kamen dann die richtigen Alemannen als Vorhut der Völkerwanderung ins Elsass. Sie
wurden zwar zunächst zurückgeworfen, aber zum Ende des Jahrhunderts war es vorbei mit dem römischen Gallien.
50 Jahre später zogen die Hunnen hier durch und legten einen der Grundsteine für die Siegfried-Sage.
496 erobert Chlodwig mit seinen Franken das Elsass und verleibte es dem merowingischen Königreich ein. Mit den
Etichonen als Herzöge wurde das Gebiet in der Endzeit des Merowingerreiches weitgehend selbständig und erlebte eine
erste Blütezeit, aus der viele Klostergründungen stammen (Ste. Odile, Maursmünster usw.).

Nach dem Zerfall des Karolingerreiches bildete das Elsass einen Teil des "Mittellandes" Lotharingien, das von der
Nordsee bis zur Schweiz reichte. Im Rahmen der Erbfolgestreitigkeiten erfolgte die Vorbereitung zur Aufteilung des
Landes im Jahre 842 durch die Straßburger Eide. 843 wurde die Teilung mit den Vertrag von Verdun bekräftigt. Nun
existierten endgültig drei Teilreiche (Ostreich - Ludwig der Deutsche, Mittelreich - Lothar I. als Kaiser, Westreich - Karl
der Kahle). In den Jahren 870 (Vertrag von Mersen) und 880 (Vertrag von Ribemont) wird das Mittelreich zwischen Ost
und West aufgeteilt. Das Elsass (als Teil von Ober-Lothringen) und das östliche Nieder-Lothringen (damals der Streifen
von Friesland bis Aachen) fallen dabei an das Ostreich.

925 kommt das Elsass im Rahmen der Erbfolge zum Herzogtum Schwaben und wird 1075 als Lehen an Friedrich von
Büren verliehen. Wie es sich für ein großes Lehen gehört, ändert der Inhaber seinen Namen und heißt von nun an
Friedrich von Staufen. Damit beginnt die Geschichte des Elsass als Kernland des Heiligen Römischen Reiches.
Kaiserpfalzen werden angelegt, zahlreiche Burgen, Klöster und Kirchen gebaut. Zum Ende der Blütezeit und mit dem
Untergang der Staufer im Jahre 1238 zerfällt das Elsass in einen Nord- und Südteil. Der Norden wird von den
Straßburger Bischöfen beherrscht, der Süden gelangt an die Habsburger.
Gleichzeitig lösen sich die großen Städte aus der Territorialherrschaft und werden "reichsunmittelbar".
In der Zeit um 1440 bekommt das Elsass dann einen Teil des Hundertjährigen Krieges zu spüren. Plündernde,
kampfunlustige Söldnerhorden fallen aus Frankreich heraus in die fruchtbare Tiefebene ein, werden aber recht schnell
vertrieben.
1445 erfindet Gutenberg in Straßburg den Druck mit beweglichen Lettern. Straßburg und Metz werden Zentren der
Druckkunst.
Von 1469 bis 1477 gehört das Elsass zum Burgundischen Reich Karls des Kühnen. Nach dessen Tod wird es wieder
kaiserlich.
1525 erschüttern die Bauernkriege die Region und etwa gleichzeitig hält die Reformation Einzug im Elsass. Die
Reichstädte werden protestantisch, das Land bleibt katholisch. In der Folge der Reformation erlebt das Gebiet von 1618
bis 1648 die Schrecken des 30jährigen Krieges und wird von den Schweden weitgehend verheert.

Im Westfälischen Frieden wird Frankreich die Vogtei (eine Art verwaltungstechnischer Steueraufsicht) über das
Südelsass und die Reichsstädte übertragen. Als Folge davon erhebt Ludwig XIV. Anspruch auf die tatsächliche
Herrschaft. 1675 räumt die Reichsarmee nach einer Niederlage das Elsass und Frankreich annektiert nach und nach das
Gebiet. Im Frieden von Rijswijk (Krieg gegen die spanischen Niederlande / Habsburg) wird die Annexion des Elsass
bestätigt. Mühlhausen bleibt aber freie Reichsstadt mit traditionell engen Bindungen an die Schweiz.
Erst 1798 stimmen seine Einwohner nach einer Wirtschaftsblockade durch das revolutionäre Frankreich für einen
Anschluss.

1870 bricht der Deutsch/Französische Krieg aus und Elsass/Lothringen ist Mittelpunkt der Kämpfe. Ohne besondere
Rücksicht auf Kulturgüter beschießen die deutschen Truppen unter anderem Straßburg schwer.
Mit dem Verlust der Schlacht von Woerth ist die Niederlage der Franzosen abzusehen. 1871 werden Elsass und
Lothringen im Frankfurter Frieden wieder dem Deutschen Reich zugeschlagen.

1914 bis 1918 wird wieder gekämpft. Vor allem am Vogesenhauptkamm werden Sie noch Zeugnisse dieses Krieges
finden. Mit dem Vertrag von Versailles wird das Elsass wieder  französisch.
Während des 2. Weltkrieges ist das Gebiet deutsch besetzt (damaliger Sprachgebrauch: dem Reich eingegliedert), fällt
nach dessen Ende aber selbstverständlich wieder an Frankreich.

Ab 1949 entwickelt sich das Elsass mit Gründung des Europarates und dessen Sitz Straßburg offiziell zu dem, was es
schon immer war:

Eine europäische Region.



 
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