Am 13. Juli 1917 drohte der Feind abermals mit Angriffen, so dass wir wiederum in Alarm liegen. Die ständigen Angriffe haben den vorderen Linien und den Reserven langsam ihre volle Kampfkraft genommen. Am 14. wird das ganze Regiment der 19. Inf.–Div. unterstellt. Der Feind hat den Hochberg genommen. Das I. Batl. bekommt beim Schanzen den Befehl, sofort nach vorne zu rücken, wo es beim I. Batl. des Inf.–Reg. 74 während der Nacht eingesetzt werden soll. Um 1 Uhr mittags setzt es sich vom Lager in Marsch, da man am Tage möglichst weit vorgehen muß, um nicht dem verstärkten nächtlichen Beschuß der Anmarschwege ausgesetzt zu sein. Das Bataillon soll zum Gegenstoß angesetzt werden. Kurz nach Mitternacht ist man in der R1-Stellung (1. Reservestellung) und morgens nach 4 Uhr rückt das Bataillon in Höhe des Cariusstollens in die befohlene Ausgangsstellung für den Sturm, wird aber wieder in die R1-Stellung zurück geholt.
Am Abend des 15. erhält das Bataillon den Befehl, in die Sturmausgangsstellung
vorzurücken und um 9,45 Uhr zusammen mit einem Bataillon des Inf.–Reg.
74 unter Führung des Oberleutnants Carius zum Sturm anzutreten. Das
Aufmarschgelände liegt unter dauerndem heftigem Artilleriefeuer mit
Spreng– und Gasmunition. Nach dreiviertelstündiger Artillerie–Vorbereitung
treten die 2., 3. und 4. Kompanie an, während die 1. Komp. in der
R1–Stellung in Bereitschaft bleibt. Ein überaus starkes Artillerie–
und Maschinengewehr–Sperrfeuer empfängt die Kompanien, die gleich
zu Anfang starke Verluste erleiden. Die 2. und 3. Kompanie werden von flankierendem
Maschinengewehrfeuer derart erfaßt, dass sie zum großen Teil
zersprengt werden. Teile dieser Kompanien schließen sich der 4. an,
die am linken Flügel angesetzt ist und der es gelingt, bis an die
alte Kampflinie vorzudringen und bei dieser Gelegenheit 12 Gefangene zu
machen. Ein heftiger Gegenstoß der Franzosen drängt sie jedoch
wieder bis hinter die K3 (Kampflinie 3) zurück. Hier ist ihre Stellung
sehr gefährdet, da sie in der rechten Flanke eine unbesetzte Strecke
von etwa 500 Meter hat, die nur durch Patrouillen gesichert wird. Die 1.
Kompanie kann nicht rechtzeitig eingreifen, da das unvermindert andauernde
Sperrfeuer alle Verbindungen zerstört hat. Alle Handlungen werden
auch noch dadurch behindert, dass es ganz außerordentlich schwierig
ist, sich in dem völlig zerschossenen, baum- und strauchlosen Gelände
so hinreichend zu orientieren, dass man mit Bestimmtheit sagen kann, an
dem und dem Punkt sind wir zu finden. Selbst Gräben, die am Mittag
noch vorhanden waren, sind am Abend durch das höllische Artilleriefeuer
wie weggewischt.
![]() |
|
|
![]() |
So liegt man auf dem glühend heißen Kalkboden, durstet, beobachtet,
deckt sich und ist jeden Augenblick auf alles gefaßt. Die Stunden
dehnen sich endlos........ Die Nacht verläuft im allgemeinen ruhig.
Und doch lastet auf allen, abgesehen von den körperlichen Strapazen,
die Ungewißheit wie ein Alpdruck. Man wartet jeden Augenblick auf
neue Überraschungen. Alle Sinne sind angespannt und die überanstrengten
Nerven zittern noch nach von den letzten Ereignissen, bis man ermattet
zusammensinkt und in einen dumpfen unerquicklichen Halbschlummer verfällt.
Dieser Halbschlummer bringt einem nicht einmal die ersehnte Gleichgültigkeit,
sondern ist zwischen Minuten völliger stumpfer Bewußtlosigkeit
angefüllt mit dem Lärm und den verzerrten Bildern des letzten
Tages. Dann steht man wieder da und starrt mit fiebernden Augen in die
Nacht, gequält von einem entsetzlichen Durst. Die Zunge klebt einem
am Gaumen und der Hals ist ausgedörrt mit dem verfluchten Kreidestaub.
Eine Patrouille mit der Meldung von dem erreichten ist zurückgeschickt.
Wird sie durchkommen durch das rasende Sperrfeuer? Und die Nacht vergeht,
ohne dass eine Verbindung nach rechts oder rückwärts hergestellt
ist. Die Morgensonne findet die Abteilung, einige 60 Mann, allein in der
schaurigen Einöde auf dem Hochberg. Da beginnt gegen 8 Uhr morgens
die feindliche Artillerie mit zwei schweren Geschützen den Graben
zu beschießen, eine, zwei Stunden lang. Es ist zum Irrsinnig werden,
dies Liegen an der Grabenwand, am Trichterrand, jeden Augenblick gewärtig,
diesen gleichsam die Linie abtastenden Fäusten verfallen zu sein.
Die Sonne steigt höher und brennt erbarmungslos. Die verfaulenden
Leichen der letzten Tage verbreiten einen unerträglichen Geruch, Millionen
Fliegen schwirren herum. Die Gefallene verwesen bei dieser Hitze in wenigen
Stunden, mühsam Eingescharrte werden durch die nächsten Granaten
wieder empor gewühlt. Und in all dem Entsetzen immer noch das Auge
wach, die Hand bereit.... Endlich, endlich kommt der Abend und damit Nachricht
von Hinten und schließlich der ersehnte Anschluß nach rechts.
![]() |
|
|
Bei Einbruch der Dunkelheit am 16. stößt das I. Batl. bis in die alte K2–Linie vor und findet sie vom Feind unbesetzt. Ein Stoßtrupp der 1. Kompanie unter Unteroffizier Esrom macht zwei Gefangene vom französischen Regiment 33. Auch die folgende Nacht vom 16. auf den 17. verläuft ruhig und so ist es uns möglich, die Linie zu schließen. Während der folgenden Tage nehmen wir unter der Anleitung unserer eigenen Befehlsstelle eine Neubesetzung und Ablösung vor, so dass wir nunmehr das II. und III. Bataillon eingesetzt haben und das I. als Divisionsreserve in das Winterfeldlager zieht. Eine Kompanie, die in der R2–Stellung liegt, sorgt für Nachschub des Pioniermaterials. Ihre Arbeit und die der Essenträger wird außerordentlich beschwert durch den sehr starken Beschuß, der am Tage und vor allem aber in der Nacht auf sämtlichen Anmarschwegen liegt. Ständig knallt irgendwo eine Lage von vier Schuß Gas– oder Sprengmunition. Gewiß, man gewöhnt sich daran, da man seine Bedürfnisse allmählich den Verhältnissen anpaßt und hier „ruhig“ nennt, was man vielleicht in anderen Stellungen für höchst verdächtige Feuerüberfälle halten würde. Aber immerhin: wenn man gerade mit einer Kanne oder mit Brotsäcken beschwert durch das Trichtergelände stapft, so freut man sich über recht wenig Beschuß.
Am 25. Juli sollen wir die alte K2–Linie wieder nehmen, da an dem Besitz der weit über das Land schauenden Hochbergkuppe eigentlich alles liegt. Der Feind soll uns nicht von oben in die „Karten“ sehen.
Die Vorbereitungen beginnen. Man zieht die Kompanien vor. Im Cariusstollen und seinem Graben liegen die Reservetruppen in fürchterlicher Enge beieinander und dürfen sich nicht sehen lassen, da der Feind diese Gegend ohnehin schon „unter Wind“ hat. Die Reservetruppen werden so nahe wie möglich herangezogen und zum großen Teil auch im Thomsenstollen untergebracht. So ist auch der Thomsenstollen zum Überlaufen voll. Man liegt mehr über– als nebeneinander. Selbst die Stufen des Ausgangs sind mit wartenden Soldaten belegt, so dass die stickige Luft fast unerträglich wird. Durst und Kopfschmerzen stellen sich ein. Der Stollen selbst hat schon eine bunte Geschichte hinter sich. Von den Franzosen mit Flammenwerfern ausgebrannt, besetzt, mit Gefangenen angefüllt, von den Deutschen wieder genommen mitsamt den deutschen Gefangenen und Verwundeten sowie den französischen Bewachungsmannschaften. Er ist wohl deswegen ein so heiß umstrittenes Objekt, weil er die größte und beste Unterkunftsmöglichkeit des ganzen Flügels ist und als einziger Stollen hinreichenden Schutz gewährt. Die ausgebrannten Wände, die jetzt nur noch aus schwarz geräucherter, nackter Kreide bestehen, bieten im Kerzenlicht einen grotesken, unheimlichen Anblick.
Vorne sitzen als erste Linie das III. Bataillon ohne die 9. Kompanie und die 6. Kompanie, die durch Druck auf die Flanke dem III. Bataillon den Sturm erleichtern soll. In der zweiten Linie sind die 7., 1. und 4. Kompanie, die zum Teil als Sicherungsbesatzung in dem K2–Graben bleiben soll.
Schon während der Nacht und des folgenden Tages legt unsere Artillerie planmäßig, immer stärker werdendes Zerstörungsfeuer auf die feindlichen Gräben, bis sie gegen 8 Uhr abends am 25. 7. ihr Feuer rückwärts verlegt. Mit dem Schlage treten die Sturmkolonnen an und die zweite Linie folgt dichtauf. Es zeigt sich, wie vorteilhaft es ist, dass die Truppen so nahe an die Stellung heran gezogen wurden, denn die Franzosen legen ein wahnwitziges Sperrfeuer auf das Gelände zwischen der Straße Maronvillers – Nauroy (heute D 64) und den Thomsenstollen, so dass man nur mit ganz außerordentlich schweren Verlusten hätte durch kommen können.
Im Handumdrehen und ohne bedeutenden Widerstand ist das Ziel erreicht.
Man staunt, wie schnell die Strecke durchschritten ist, die sonst immer
als gescheutes und mit fürchterlichen Drohungen angefülltes Land
vor uns lag. Nun sind wir oben. So sieht es also aus. Und unsere Stellung
so....aber das konstatiert man nur nebenher, mehr mechanisch, da man seine
Gedanken nicht ausschalten kann, selbst in solchen Augenblicken solcher
Erregung. Unsere Artillerie hat furchtbar gewirkt. Alle Gräben sind
durchwühlt, überall liegen zerrissene Wellblechbogen, zersplittertes
Holz, fremdartige Ausrüstungsstücke und blaue Stahlhelme....
Wir gehen weiter, denn es ist nun ein Abmachen. Wir sind am Zuge und uns
hält niemand. Weit über das gesteckte Ziel stoßen die Kompanien
vor. An Sanitäts– und Bataillonsunterstände kommen sie. Aus den
Unterständen holen sie völlig erschöpfte Gefangene, die
keinerlei Widerstand leisten. Ja die Gefangenen kommen in hellen Haufen
mit hocherhobenen Armen und singen eine Liternei von der „artillerie allemande“.
Schließlich treibt man die Gefangene zurück über den Hang.
Einige zögern, andere eilen, dass sie durchkommen durch ihr eigenes
Sperrfeuer, das immer noch wieder die alten Trichter von neuem aufwühlt.
Man zählt 6 Offiziere und 150 Mann Gefangene, die übrigens genauso
wie wir über Durst klagen, aber wenigstens die Aussicht haben, sich
bald laben zu können. Die Beute sind mehrere Maschinengewehre und
zahlreiche Schnellladegewehre.
![]() |
![]() |
|
Leichter und mittlerer
|
Minenwerfer am Cariusstollen |
Unsere Verluste sind zunächst nicht bedeutend, obwohl ein Maschinengewehr vom Lug ins Land uns mächtig in die Flanke feuerte. Am linken Flügel – bei der 6. Kompanie – scheint der Feind einen Gegenangriff zu machen, der aber sehr bald zum Stehen kommt. Unsere Kompanien werden unter der Wirkung irgendwelcher Artilleriegeschosse – niemand weiß, von wo die kommen – häufig gezwungen, seitwärts oder rückwärts auszuweichen. Mit Einbruch der Dunkelheit setzten auf dem rechten Flügel stärkere feindliche Gegenstöße ein, die jedoch nach minimalen Anfangserfolgen im Handgranatenkampf zurück gewiesen werden. Diese wiederholten Angriffe schwächen die Besatzung mehr als der Sturm. Am Morgen, als die Franzosen unter dem Schutz dichten Nebels abermals angriffen, werden die schwachen Truppen in die K2–Gräben zurück gedrängt.
Der Vormittag des 26. Juli bringt wegen des dichten Nebels keine größeren Kampfhandlungen, wenn auch die gegnerische Störung fortgesetzt wird. So gut es im Trichterfeld gehen will, versucht man, das gewonnene Gelände in einen verteidigungsfähigen Zustand zu versetzen. Dabei werden wir empfindlich gestört durch Artillerie und durch das M.G. vom Luginsland. Was die Artillerie angeht, so redet man davon, dass ein großer Teil der bei uns ankommenden Granaten aus deutschen Rohren stamme, immer noch, obwohl wir bereits gestern darüber klagten.
Um 5,30 Uhr nachmittags setzt abermals ein starker französischer Gegenangriff aus der K1–Linie gegen die K2–Linie ein, der im erbitterten Handgranatenkampf abgewiesen wird. Infolge dieses Gegenangriffes aber kann der auf 6 Uhr nachm. angesetzte Angriff zur Wiedernahme der alten K1–Linie nicht durchgeführt werden. Auch die erlittenen schweren Verluste zwingen dazu, von einem weiteren Angriff abzusehen.
Der kommandierende General Seine Exzellenz Generalleutnant von Lüttwitz sowie der Divisionskommandeur sprechen dem Regiment ihre Anerkennung aus. Außerdem gehen folgende Befehle beim Regiment ein:
„Gruppenbefehl der Gruppe Prones.
Nachstehender Fernspruch ist an die Gruppe gerichtet:
Ich bitte der 187. Inf.–Div. meine volle Anerkennung auszusprechen für die gute Vorbereitung und flotte Durchführung der Unternehmung am Hochberg, sowie insbesondere für die zähe Tapferkeit, mit der die Gruppe ihren Erfolg gegen starke feindliche Gegenangriffe behauptet hat.Der Oberbefehlshaber
gez. v. Below
General der Infanterie.“
„Tagesbefehl der 187. Infanterie–Division.Am 25. Juli haben nach sorgfältiger Vorbereitung durch die Artillerie und durch Minenwerferkompanien des I.R. 187 und die 4/189 die am 14. 7. in die Hand des Feindes gebliebenen Gräben gestürmt. Im ungestümen Anlauf sind die Truppen bis in die dritte französische Linie vorgestoßen und haben dem sich verzweifelt wehrenden Gegner 5 Offiziere und über 150 Mann als Gefangene abgenommen, mehrere M.G. als Beute eingebracht und die Gräben gegen zahlreiche erbitterte Gegenangriffe gehalten. Am 26. 7. versuchte der Gegner durch rücksichtslosen Einsatz großer Massen uns den Erfolg streitig zu machen. Die Angriffe zerschellten an der mustergültigen, über alles Lob erhabenen Haltung der zäh ringenden Infanterie. Die Kraft des Feindes ist gebrochen. Die Infanterie hat sich neuen unvergänglichen Ruhm erworben.Die völlig erschöpften Kompanien werden außer der 9. Kompanien, die in vordere Stellung rückt, von Kompanien der Schwesterregimenter abgelöst und das ganze Regiment bis auf den Regimentsstab, 5. und 9. Kompanie zieht am 28./29. 7. ins Winterfeld–Lager zurück, wo es bis zum 3./4./5. 8. der Ruhe pflegt. Die Ablösung und die Rückkehr des Regiments in die vordere Linie geht ohne jeden Verlust vor sich. Eine neue und praktische durch die Erfahrung erprobte Einteilung der Kampf– und Arbeitskräfte ermöglicht es mit der Zeit, dass das Leben etwas geregelter und damit besser, wenn auch nicht rosig wird. Das Störungsfeuer der feindlichen Artillerie liegt nach wie vor auf dem Hintergelände mit seinen Anmarschwegen. Vor der jetzigen ersten Linie wird nunmehr unter Einsatz aller verfügbaren Arbeitskräfte eine neue K1–Linie ausgehoben, die sich schnell durchlaufend gestaltet und mit Drahthindernissen versehen ist. Auch am linken Flügel wird vom II: Bataillon ein Graben ausgehoben, der bis zur Regimentsgrenze gehen soll, da hier bisher nur einzelne Posten in Trichtern gestanden hatten.
Ich spreche dem Regiment 187 und der 4. Komp. 189 meine besondere Anerkennung und Dank aus! In demselben Maße gilt mein Dank und vollste Anerkennung der Artillerie, den Minenwerfern, der Fliegerabteilung 272 und allen Beteiligten, die durch sorgfältige Vorbereitung und glänzende Unterstützung selbst im schwersten Feuer unermüdlich tätig waren, die schwer ringende Infanterie zu unterstützen. Der 25. und 26. Juli 1917 sind neue Ruhmestage der Division.gez. Sunkel.“
![]() |
![]() |
|
Vorderste Stellung
|
am Hochberg |
Das feindliche Artilleriefeuer lebte meist des Nachts auf. Besonders
beliebt scheinen beim Franzosen die plötzlichen wütenden Überfälle
mit 8 bis 12 Schuß zu sein, die er irgendwo hinpfeffert und gegen
die man sich nur dann decken kann, wenn ,man die Batterien genau kennt
und außer einem günstigen Gelände noch über die lebensnotwendige
Gewandtheit verfügt. Verkehr in den feindlichen Gräben wird von
unserer Artillerie und, sofern es sich um nahe Ziele handelt, von unseren
Minenwerfern mit feststellbaren Erfolgen beschossen. Der Franzose stört
unsere nächtlichen Arbeiten durch Maschinengewehr–, Gewehr und Gewehrgranatenfeuer,
so dass man immer auf der Hut sein und genau hinhören muß, ob
wieder eine der zahlreichen Gewehrgranaten abgefeuert werden. Wir rächen
uns an dem eifrig arbeitenden Gegner durch kurze Granatwerfer und Handgranatenüberfälle.
Eine neue feindliche Batterie flankiert unsere Gräben stark aus der
Richtung des Cornilletberges. Die Granaten sind zwar nur kleinkalibrig,
aber sie kommen so unerwartet und so ekelhaft fix an, dass man nicht vorsichtig
genug Deckung gegen diese Seite suchen kann. Wir antworten mit Pristergranten
und leichten Minen. Am 17. August beschießt der Feind nachmittags
von 2 bis 5 Uhr den Thomsenstollen so außerordentlich heftig mit
schwerer Artillerie und Minenwerfern, dass man sich auf einen erneuten
Angriff gefaßt machen muß, der aber ausbleibt. Ein Eingang
des Stollens ist vollkommen zusammengeschossen und ein zweiter zeitweise
verschüttet. Die 3. Kompanie 189, die hier untergebracht war, erleidet
durch Verschüttung und Kohlenoxydvergiftung erhebliche Verluste. Die
sofort einsetzenden Bergungsarbeiten ermöglichen es, dass wenigsten
die Kranken und Verletzten in Sicherheit gebracht werden können. Die
Kompanie wird noch während der Nacht in die Zwischenstellung zurück
genommen, so dass der verhängnisvolle Thomsenstollen nunmehr gänzlich
geräumt ist.
![]() |
|
Gefr. Elvert, Oblt. Dose, Fdw. Scharf, Ldstm. Voss |
Was in diesem kurzen Bericht an Gefühlen eingeschlossen ist, mag nur der nachempfinden, der in jenen überaus schweren Tagen und Stunden mit in die Ereignisse verwirkt war. Die Bilder der Führer und Mannschaften, die unbekümmert um das feindliche Feuer in den Stunden des Angriffs ihren Dienst taten, selbst unter den üblen Verhältnissen, die bezeichnet sind durch die Meldungen „Anschluß rechts und links nicht vorhanden!“
– Der Handgranatenwerfer, der mit einer wahren Berserkerwut und mit
einem Geschick, das ihm auf dem Übungsplatz Ehre machen würde,
seinen Wurfgeschosse unter die bestürzten und schließlich erschütterten
Feinde schleuderte, indem er wie die alten Germanen sein Tun mit Zornesreden
und Aufmunterungsworten begleitete.
![]() |
|
|
– Der Unteroffizier, der seinen Granatwerfer peinlichst genau einrichtet
und dann seinen vorbedachten Überfall mit der Freude eines Artilleristen
in Szene setzt.
– Die Träger, denen jeder Abend wieder neue Überraschungen
bietet und die trotz außerordentlich üblen Aufgabe, täglich
zweimal durch das ewig beschossene Hintergelände zu laufen, schwerbepackt,
schwitzend und keuchend ihre Lebensmittel (den damals noch herrlichen Schinken
und das sehnlichst erwartete Getränk) an Ort und Stelle abliefern.
– Die Läuferkette, die immer irgend etwas nach vorne oder nach
hinten zu besorgen hat, vor allem aber bestimmt dann in Anspruch genommen
wird, wenn etwas „los“ ist, d. h. wenn gerade das ganze Gelände und
besonders der bekannte Läuferweg unter stärkstem Granat–, Schrapnell–,
Gas– und Maschinengewehrbeschuß liegt.
– Der Sanitäter, der im Feuer und mit den schmerzlichsten Lasten
beschwert seinem Dienst nachkommen muß.
– Diese Bilder und noch viele andere, die nicht alle aufgezählt
werden können, da die Erlebnisse des Einzelnen viel zu wenig, leider
viel zu wenig bekannt werden, diese Bilder bleiben jedem, wie er sie erlebt
hat, unverwischbar im Gedächtnis haften! Es wäre eine dankbare
Aufgabe, durch die Sammlung solcher einzelnen Szenen, wie sie die verschiedenen
Kämpfer in Erinnerung haben, anderen vielleicht einen Einblick in
das wirkliche Kriegsleben zu bereiten, wie man ihn aus der landläufigen
und üblichen Berichterstattung niemals hat gewinnen können, vor
allem aber, um sich selbst die Bilder und Gefühle jener Zeit noch
einmal klar und für immer vor sich selbst erstehen zu lassen. „Heimkämpfern“
freilich kann man niemals das wahre Gesicht dieser Zeit zeigen, die, so
schrecklich sie auch waren, trotzdem auch viel Buntes und auch Erhabenes
erleben ließen.
![]() |
|
|
![]() |
![]() |
|
Der Deutsche Soldatenfriedhof in
|
Aussonce am 29. September 2003 |
Einige solche Erinnerungsbilder, die nicht des Hochbergs wegen, sondern
des Erlebten wegen, sollen nachstehend aufgezeichnet werden, um sie gegen
das Vergessen zu schützen. Es werden hier die vorliegenden Aufzeichnungen,
die in Ichform geschrieben wurden, wörtlich übernommen:
|
-bitte klicken- |
|
|
|
|