Das Infanterie Regiment 187 wurde während des Krieges im Mai 1915 mit Kompanien aus verschiedenen Regimentern gegründet und war bis zum Ende August 1916 in den Vogesen an unterschiedlichen Kampfplätzen eingesetzt. Anfang September 1916, nach dem Kriegseintritt Rumäniens, wurde das IR 187 auf den neuen Kriegsschauplatz verlegt, wo es im Hochgebirge und tiefem Schnee bis zum 22. Februar 1917 blutige und verlustreiche, aber meistens erfolgreiche Kämpfe bestand.
Als Fortsetzung zu „Das Infanterie Regiment 187 in den Vogesen“ und „Das Infanterie Regiment 187 im Rumänienfeldzug 1916/17“ folgt nun die Schilderung der Einsätze an der Westfront. Die Zeit in Lothringen ist als Erholungs- und Auffrischungszeit zu betrachten, um dann mit den neuen Stellungskriegsmethoden vertraut gemacht, an den weiteren Brennpunkten eingesetzt zu werden.
Hierfür habe ich die Aufzeichnungen von Hauptmann Dose,
Leutnants
d. Res. Specht, Witte und Leutnant Borchert im Buch „Die
187er im Felde“ verwendet, teils übernommen und mit gescannten
Aufnahmen aus den Kriegsalben meines Vaters ergänzt. Die zitierten
Gefechtsberichte und Tagesbefehle habe ich wörtlich
übernommen
und zur Kennzeichnung in kursiv geschrieben.
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In Lothringen:
Nach einer langen Bahnfahrt und der zweimaligen Entlausung in Oppeln
und in Oberhofen wurde das Regiment in den ersten Tagen des März
in
Finstingen ausgeladen. Die Bataillone rückten in die zugewiesenen
Quartiere. Die zweite Entlausung in Oberhofen und die Unterbringung der
ganzen Division in der Umgebung von Finstingen, also weitab der Front,
war auf Flecktyphusverdacht zurückzuführen. Es wurde deswegen
eine vierzehntägige Quarantänezeit verhängt. Da der
Verdacht
sich nicht bestätigte, konnte nach Ablauf der Quarantäne die
Division ihrem eigentlichem Ziel, als Reserve hinter der Front vor
Duß
zu dienen, bereitgestellt werden. Die vierzehntägige Ruhezeit in
Finstingen
verstrich aber nicht nutzlos. Eifrig wurde an der Ausbildung
gearbeitet.
Das Regiment kam nach zwei Jahren das erste Mal wieder aus dem Gebirge
heraus. Man mußte sich also wieder auf den
Schützengrabenkampf
in der Ebene einstellen. Aber damit nicht genug. Diese Kampfesart hatte
sich gegen 1914 und Anfang 1915, aus der die bisherige Erfahrung
stammte,
gewaltig geändert. Die schweren Kämpfe bei Verdun und
namentlich
an der Somme hatten eine gewaltige Verstärkung und Vermehrung der
Kampfmittel der Artillerie, Pioniere und Infanterie bewirkt. Es war
dadurch
fast unmöglich geworden, eine bestimmte Linie unter allem
Umständen
zu halten. Sie mußte vielmehr sofort nach Verlust durch
automatischen
Gegenstoß besonders hierfür bereitgestellter Reserven
wiedergenommen
werden. Der Ausbau einer Stellung und ihre Besetzung mußte sich
also
gegen früher erheblich mehr in die Tiefe gliedern. Die Reserven
aller
Verbände, Kompanien, Bataillone und Regimenter mußten zum
sofortigen
Gegenstoß aus eigener Initiative erzogen werden. Für die aus
Rumänien kommen Regimenter waren das alles neue Gedanken und es
gelang
nur schwer, die Führer aller Grade, vom Rotten– und
Gruppenführer
an aufwärts so daran zu gewöhnen, dass sie auch im Ernstfall
den neuen Erfahrungen gemäß richtig handelten.
Es soll hierbei gleich der Begriff der Eingreifdivisionen und
–Regimenter
erläutert werden, da später mehrfach davon die Rede sein
wird.
Die vorstehend genannten Gegenstöße, die von den vorne
befindlichen
Reserven der Stellungstruppen ausgeführt werden sollten, nannte
man
Gegenstöße aus der Stellung. Führten diese
Gegenstöße
jedoch nicht zum Ziel, sondern war der Gegner in breiter Front in
unsere
Stellungen eingebrochen, so mußte die höhere Führung
von
der Division an aufwärts bereit gehaltene größere
Verbände,
Regimenter oder ganze Divisionen, zum Gegenstoß von hinten her
ansetzen,
um den Schaden wieder gut zu machen. Derartige hinten bereit gehaltenen
Truppen nannte man Eingreiftruppen, den von ihnen eventuell
auszuführenden
Gegenstoß einen Gegenstoß aus der Tiefe. Außer diesen
beiden Arten des Gegenstoßes kannte man dann noch einen
Gegenangriff.
Der Unterschied zum Gegenstoß lag darin, dass der Gegenstoß
sofort nach Verlust der Stellung einsetzte, während der
Gegenangriff
einer planmäßigen Vorbereitung bedurfte, also erst einen
oder
mehrere Tage nach dem Stellungsverlust erfolgte.
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Am 15. März wurde die ganze Division näher an die Front verlegt. Der Regimentsstab, das I. und III. Batl. wurden in Duß einquartiert, das II. Batl. in Wirtsdorf, 1. und 3. M.G.K. in Kerprich, 2. M.G.K. in Genesdorf. In Duß lernten die Soldaten zum ersten Mal einen größeren lothringischen Ort kennen. Erst während des Krieges hatte die Orte ihre alten deutschen Namen wieder erhalten. Nach dem Kriege wurde dann aber aus Duß wieder Dieuze und aus Medewich wieder Moyenvic. Man hörte auch während des Krieges auf der Straße meistens nur französisch sprechen. Die Blicke, die den deutschen Soldaten seitens der Einwohner folgten, waren alles andere als freundlich. Aber die bösen Blicke und das „parlieren“ auf den Straßen scherte die Soldaten wenig. Sie verlebten eine herrliche Zeit in Duß und Umgebung. Neben der eifrigst geförderten Ausbildung für den neuzeitlichen Kampf an der Westfront blieb manche Stunde für Frohsinn und Heiterkeit. Es ging sogar soweit, dass der „dicke Franz“, der allbekannte und beliebte Unterarzt, später Feldhilfsarzt des III. Batls. freiwillig später auf Urlaub fuhr. Die Kompanien arrangierten mehr oder weniger fidele Kompaniefeiern. So verging die Zeit nur zu rasch.
Am 9. April wurde das Regiment für 8 Tage der
Stellungsdivision,
der 15. bayerischen Infanterie–Division, zu Arbeiten zur Verfügung
gestellt. Es mußte somit weiter an die Front verlegt werden und
bezogen
in verschiedenen Orten Quartier. Am 18. April, nach Ablauf der
vorgesehenen
Arbeitszeit, kehrten die Kompanien wieder in ihre alten Quartiere in
und
bei Duß zurück. Die Freude war aber leider nur sehr kurz.
Noch
am selben Tage traf der Befehl ein, dass das Regiment in vorderer Linie
eingesetzt werden sollte, westlich von Wich (Vic-s-Seille) und Medewich
(Moyenvic). In der Zeit vom 19. 4. bis zum 22. 4. wurden alle
Ablösungen
planmäßig durchgeführt. Als Zwischenquartiere kamen
für
die verschiedenen Kompanien Medewich, Neumühlen–Hof, Salival,
Marsal
mit seinem aus uralter Zeit stammenden Festungswerken und Haraldshofen
in Betracht. Die abgelöste Truppe, die 206 Infanterie–Division,
wurde
an eine der damals im Entstehen begriffenen Großkampffronten
abtransportiert.
Die Entente hatte eine gewaltige Offensive angesetzt, die
Engländer
bei Arras, die Franzosen an der Aisne und in der Champagne, um unsere
Westfront
zu durchbrechen, die zwischen den Kampffronten liegenden Teile von
ihrer
Verbindung abzuschneiden und so den Krieg mit einem Schlag zu beenden.
Dieses Vorhaben scheiterte neben unserer dem Feinde gewachsenen, wenn
nicht
bedeutend überlegenen obersten Führung, an der Tapferkeit der
Fronttruppe. Damals hielt man unsere Division wohl noch nicht für
den Großkampf für vollwertig oder ob man sie im Gegenteil
für
schwerere Zeiten schonen wollte. Der Grund ist nie bekannt geworden.
Jedenfalls
konnten wir uns freuen, noch 8 Tage lang sich die Kämpfe bei Reims
ohne unsere Anwesenheit austoben zu lassen und dafür eine der
allerruhigsten
Fronten des Westens kennen zu lernen. Die Stellung, die das Regiment in
breiter Front bezog, waren durchweg gut ausgebaut mit breitem
Hindernis.
Es war auch kein Kunststück gewesen, lag doch der Feind
durchschnittlich
2 Kilometer entfernt. Die in vorderster Linie liegenden Dörfer
Schenris
und Juvrecourt waren noch völlig bewohnt und es schien
stillschweigendes
Übereinkommen der gegenseitigen Artillerie, nicht in die
Dörfer
zu schießen. Allzuviel wurde allerdings überhaupt nicht
geschossen.
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In diese Zeit fällt auch der Geburtstag der späteren Minenwerferkompanie des Regiments. Schon von Duß aus waren ausgesuchte Unteroffiziere und Mannschaften nach Bitsch (Bitche) zu einem Minenwerferkursus kommandiert. Dieses Kommando traf am 22. April mit 12 leichten Minenwerfern wieder beim Regiment ein. Durch fleißige Arbeit aller Beteiligten haben sich die Minenwerfer im Laufe der Zeit zu einer wertvollen, von der Infanterie hochgeschätzte Waffe des Regiments entwickelt.
Aber nicht lange sollten wir uns der herrlichen „Etappenstellung“ erfreuen. Die Großkampftage bei Arras und in der Doppelschlacht Aisne–Champagne erforderte immer neue kampfkräftige Truppen. Die lothringische Front andererseits war wie geschaffen als Ruhestellung für abgekämpfte Divisionen. So wurden in den Tagen vom 28. bis 30 April die Bataillone wieder abgelöst von dem bayrischen Res.–Inf.–Reg. 14 und durch das Landsturmbataillon Dresden. Dies Bataillon mußte dem ablösenden Regiment noch zur Verfügung gestellt werden, da es an der Aisne bei den ersten Angriffen der Franzosen als Stellungsreserve ganz erhebliche Verluste erlitten hatte. Unser ganzes Regiment mußte zu Fuß nach Duß marschieren, um hier verladen zu werden. Das I. Batl. lag schon seit einigen Tagen als Reserve des Abschnitts in Medewich und wurde als erste Einheit verladen. Die anderen Bataillone bezogen noch Zwischenquartier in Oberlinder, Beidersdorf und Burgaltdorf.
Noch fehlte dem Regiment das sich später als höchst nützlich und deshalb unentbehrliche erweisende Schutzmittel, der Stahlhelm. Noch unmittelbar vor dem Abtransport wurde eine Anzahl empfangen, so dass der größte Teil der Gefechtsstärke damit ausgerüstet werden konnte. Wie alles Neue wurden die Helme zunächst mit großem Mißtrauen betrachtet. Dem einem waren sie zu schwer, dem anderen drückte die Polsterung und was der angeblichen Mängel mehr waren. Später war man des Lobes voll bis auf einen Fehler: man konnte schlecht hören und das war bei feindlichem Streufeuer unangenehm, hörte man dann doch nicht rechtzeitig das Sausen von einer einem selbst zugedachten Granate.
Höhe 100 und Frankewerk nordwestlich von Reims:
Am 30. 4. fuhr das I. Batl., am 2. 5. das II. und III. Batl. von
Duß
bzw. Bensdorf ab. Keiner wußte, wohin es ging. Man konnte sicher
annehmen, dass es eine der Großkampffronten sein würde.
Welche
war besser? Was sollte man sich wünschen? Man fuhr über Sedan
hinter der Front entlang. Wurde es Arras oder Reims? Da, in Liart wurde
plötzlich vor das andere Ende des Zuges die Lokomotive
gehängt
und es ging nach Süden. Damit war das Ziel klar. Das Kampffeld bei
Reims war der Bestimmungsort. Die Transport wurden in Novion Porcien
ausgeladen.
Zu Fuß ging es in die Unterkünfte, I. Batl nach
Conde-les-Herpy,
II. Batl. nach Herpy und das III. Batl. nach Chateau-Porcien. Zum
ersten
Mal bekamen wir die öde Gegend der „Lausechampagne“ zu sehen. An
vielen
Stellen trat durch die dünne Schicht Muttererde der weiße
Kalk
zu Tage, der in der Kampffront, aufgewühlt und zerrissen von
Granaten
aller Kaliber, der Gegend das Aussehen einer Winterlandschaft gab. Die
bezogenen Unterkünfte lagen noch weit hinter der Front, waren aber
schon vor unserem Einrücken schon bis unter das Dach belegt mit
Reserven,
Kolonnen und Bagagen aller möglichen Truppengattungen.
Während
des Aufenthaltes von ein bis zwei Tagen wurde bei der Hitze wie im
Hochsommer
die Bademöglichkeit in der Aisne fleißig ausgenutzt. Von
fernher
grollte der Kanonendonner, der zeitweise zu unheimlicher Stärke
anschwoll.
Es waren die letzten größeren Anstrengungen der Franzosen,
an
dieser Stelle doch noch den Durchbruch zu erzwingen. Ihr Bemühen
blieb
aber nach wie vor vergeblich. Die letzten Zuckungen dieses Kampfes
sollte
das Regiment noch miterleben.
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Am Nachmittag des 4. Mai wurde die Division, die bis dahin zur Verfügung der Armee gestanden hatte, der Gruppe (Generalkommando) Brimont als Eingreifreserve zur Verfügung gestellt. Damit war natürlich ein Vorziehen dichter an die Front verbunden. So mußte das Regiment noch am gleichen Nachmittag aufbrechen und traf spät abends in Pilcourt und Houdilcourt ein. Auch hier die Quartiere überfüllt, noch schlimmer als in den eben verlassenen Dörfern. Also wurde größtenteils biwakiert. Es war ja Gott sei Dank warm und trocken. Kaum waren die Bataillone angekommen, als schon der Befehl für den nächsten Tag eintraf. Das Regiment sollte die derzeitigen Aufstellungsplätze des Inf.–Reg. 172 einnehmen. Das Regiment hatte bisher zur Eingreifdivision gehört. Seine Aufstellungsorte waren für die Eingreiftruppen bestimmt. Um 9 Uhr vormittags am 5. Mai wurde aufgebrochen, gegen Mittag trafen die Bataillone ein, das I. Batl. an der Wassermühle Thierry halbwegs St. Etienne und Aumenancourt, das II. und III. Batl. in einer Waldschlenke südlich von Aumenancourt. Noch am Abend wurde das ganze Regiment weiter nach Westen gezogen, da hier mit erneuten feindlichen Angriffen gerechnet werden mußte. Das II. und III. Batl., die am weitesten westwärts kamen, bezogen die Gräben der 2. Stellung beim Orainviller Wald, während das I. Batl. die 2. Stellung beiderseits der großen Straße Neufchatel – Reims (heute RD 966) besetzte. Es lag somit das ganze Regiment dicht südlich der Suippes. Gerade wie das ganze Regiment diese so äußerst unangenehme Flankenbewegung ausführte, wurde in vorderster Linie Sperrfeuer angefordert, ob infolge feindlicher Angriffe oder aus Nervosität der Kampftruppen mag dahingestellt bleiben. Die feindliche Artillerie bedachte jedenfalls auch unsere heftig feuernde Artillerie reichlich und es ist ein Wunder, dass das Regiment ohne Verluste zwischen unseren dicht beieinander liegenden Artilleriestellungen die mehrere Kilometer ausmachende Seitenschwenkung ausführen konnte.
Am 6. Mai wurde das Regiment, das bis dahin noch dem Befehl der Eingreifdivision unterstanden hatte, der Stellungsdivision, der 54. Res.–Division unterstellt. Damit gehörten wir zur eigentlichen Kampftruppe. Das II. Batl. wurde dem Inf.–Reg. 84, dem rechten Flügelregiment der Stellungsdivision, zum Einsatz zugeteilt, wurde aber noch nicht eingesetzt. Lediglich Einweisungskommandos orientierten sich im zukünftigen Abschnitt.
Die nächsten Tage brachten infolge der wechselvollen Lage an der Front und der geringen zur Verfügung stehenden Reserven ein mehrfaches Hin– und Herschieben von Teilen des Regiments und damit verbunden die Unterstellung unter verschiedene Kommandostellen. Es soll versucht werden, dies Herumziehen der Kompanien im wesentlichen zu erläutern, ohne jedoch Anspruch darauf zu erheben, jede Einzelheit erörtert zu haben.
Es war von vornherein beabsichtigt, dass das Regiment 187 das
Inf.–Reg.
84 bei der Höhe 100 ablösen sollte, während die beiden
anderen
Regimenter der 54 Res.–Div., das Res.–Reg. 90 und das Res.–Reg. 27,
durch
unsere Schwesterregimenter 188 und 189 ersetzt werden sollen. Eine
sofortige
glatte Ablösung ließ sich aber, wie bereits berichtet,
infolge
der gespannten Lage und dem Mangel an Reserven nicht durchführen.
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Rechts oben beim Nordpfeil die Straße D 622 nach Aguilcourt, an der linken Seite die Straße D 32 nach Cormicy. |
Am 7. Mai wurde der Stab des II. Bataillons mit der 6. und 7. Kompanie zum Res.–Inf.–Reg. 27 vorverlegt, während die 5. und 8. Kompanie dem Inf.–Reg. 84 zur Verfügung standen. Beide Stellungsregimenter wurden angegriffen, konnten aber aus eigener Kraft die Franzosen abweisen. In der Nacht zum 8. Mai begann die Ablösung des I. R. 84 dadurch, dass die 5. und 8. Komp. hier in vorderer Linie eingesetzt wurden. Die beiden anderen beim R.I.R. 27 befindlichen Kompanien wurden gegen die 11. und 12. Kompanie ausgetauscht, um das II. Batl. wieder zusammen zu bringen. Das I. Batl., das bisher unverändert an der großen Straße Neufchatel – Reims gelegen hatte, wurde zum Orainviller Wald herangezogen.
In der Nacht zum 9. Mai wurde die 6. und 7. Kompanie beim I. R. 84 bei der Höhe 100 eingesetzt. Damit war das II. Batl. wieder geschlossen unter dem Befehl seines Kommandeurs, Hauptmann Thomsen. Am Nachmittag des 9. Mai griffen die Franzosen beim Res.–Regt. 20 und Res.–Regt. 90 an. Die dort befindliche 11. und 12. Komp. unter Führung der Leutnants Jäger und Duncker wurden zum Gegenstoß gegen die eingebrochenen Franzosen eingesetzt. Den Verlauf dieser Kämpfe schildert der damalige Offizier–Stellvertreter Borchert, Zugführer der 12. Kompanie folgendermaßen:
„Am 9. 5. vormittags 6 Uhr wurde der Stab des III. Batls, die 11. und 12. Komp. zur Verstärkung in die Reservestellung des R. I. R. 27 vorgezogen. Beide Kompanie wurde in kleinen Waldstückchen bereitgestellt. Es befanden sich dort kleine notdürftig hergerichtete Unterstände, die aber keineswegs, nicht einmal für leichte Artillerie, sicher waren. Die Reservestellung lag etwas 2 Kilometer hinter der Front. Der kleine Rest des I./27 marschierte nach unserer Ankunft ab. Die Kompanien legten sich sofort zur Ruhe nieder. Die Leute hatten die Tage vorher einen kolossalen anstrengenden Marsch zurückgelegt und waren in der Nacht durch dauerndes Hin– und Herschieben wenig zur Ruhe gekommen. Bald nachdem es sich die Kompanien bequem gemacht hatten, eröffneten die Franzosen gegen 8 Uhr vorm. auf die Stellung des R. I. R. 27 starkes Trommelfeuer. Das Feuer lag nicht allein auf der vordersten Linie, sondern auch das Hintergelände, besonders vor dem sogenannten Franzosennest, wurde stark beschossen. Die Unterkünfte der 11. und 12. Komp. erhielten wenig Feuer. Diese Gegend wurde hauptsächlich von feindlichen Fliegern beobachtet.Auf Befehl des Bataillons schickte die 11. und 12. Komp. Patrouillen nach vorne, um festzustellen, ob die Franzosen angegriffen hätten und ob unsere Stellung gehalten sei. Die Patrouillen haben ihre Aufgabe trotz der äußerst schwierigen Verhältnisse, Unkenntnis des Geländes und starken Feuer des Gegners sehr gut ausgeführt. Sie brachten gegen 12 Uhr mittags die Meldung zurück, dass die Franzosen in unsere Stellung am Langerwald eingedrungen seien und sie besetzt hielten. Es gebührt den Patrouillen für diese Leistung die vollste Anerkennung, denn die Franzosen hatten den ganzen Vormittag ein starkes Feuer auf das Hintergelände gelegt, so dass ein Durchkommen fast unmöglich war. Der Bataillonskommandeur, Herr Major Blanck, befahl jetzt der 11. Komp. unter Führung des Leutnants Jäger und der 12. Komp. unter Führung des Leutnants Duncker, sofort zum Gegenstoß anzutreten, 11. Komp. rechts, 12. Komp. links daneben. Beider Kompanien gingen in je drei Wellen vor. Sie hatten bei ihrem Angriff ein freies Gelände von etwa 1500 Meter zu überwinden. Als unsere erste Welle sich aus dem Walde heraus entwickelte und vorging, entdeckte der Franzose sie sofort und begann, mit seiner schweren Artillerie die Waldstücke unter Feuer zu nehmen, in denen noch der Rest der beiden Kompanien lag. Als die Kompanien bis etwa 1000 Meter herangekommen waren, fing der Gegner auch mit seiner leichten Artillerie an und legte dichte Sperrfeuerriegel in Abständen von etwa 75 Meter ins Hintergelände. Unbekümmert gingen die beiden Kompanien weiter vor. Es war ein wahrer Höllenlärm. Die Leute der 11. und 12. Komp. griffen aber trotz der bereits eingetretenen Verluste unerschrocken an. Welle auf Welle arbeitete sich sprungweise vor. Die furchtbare Hitze machte es dem Angreifer doppelt schwer. Als die 1. Welle bis auf etwa 150 Meter an den Feind herangekommen war, blieb sie befehlsgemäß liegen und wurde von der 2. und 3. Welle aufgefüllt. Darauf erfolgte ein geschlossener schneidiger Sturm, so dass die Franzosen die Stellung fluchtartig verließen. Erhebliche Verluste hatten die Kompanien noch bei diesem letzten Sturmangriff durch das Franzosennest, da es direkt in ihrer Flanke lag. Nachdem wir die alte Stellung wieder besetzt hatten, versuchte die 11. Komp. das Franzosennest, das der Gegner schon lange besetzt und gut ausgebaut hatte, von der Flanke anzugreifen. Dieses gelang leider nicht mehr. Der 3. Zug der 12. Komp. wurde als Reserve herausgezogen, da der Graben zu dicht besetzt war. Dieser Zug mußte noch einmal durch das furchtbare Feuer der Franzosen. Ein Bereitstellen der Reserve in der Nähe der Stellung war des Artilleriefeuers wegen unmöglich. Die Leute haben sich dabei wie beim Angriff unter Ausnutzung der Granattrichter sehr geschickt benommen und erreichten ohne Verluste die Reservestellung. Dem Bataillonskommandeur wurde von dem Zug die Meldung überbracht, dass der Graben wieder restlos von uns besetzt sei. Im Laufe des Nachmittags mußten dieselben Leute noch den beiden Kompanien Munition und vorallen Dingen noch Handgranaten nach vorne bringen. Ein Artillerieabteilungskommandeur der 54. Res.–Div. hat sich mir gegenüber äußerst lobend über den Angriff, den er von Anfang bis Ende verfolgt hatte, ausgesprochen. Er sagte unter anderem: „So etwas von schneidigem Angriff habe ich noch nicht gesehen. Das ging ja wie auf dem Exerzierplatz. Solche Leute möchte ich auch führen.“
Verpflegung haben die beiden Kompanien leider erst am nächsten Morgen erhalten, weil die Essenholer in dem starken Nebel und dem wüst zerschossenen Gelände die Stellung in der Nacht nicht gefunden haben.“
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