Chronologie der "Vogesenkämpfe" 1914 - 1918


Gleich zu Beginn des Krieges dringen Teile der ersten französischen Armee in die seit 1871 wieder zum deutschen Reichsgebiet zählende elsässische Ebene ein. Jene Verbände, die unter dem Befehl von General Pau stehen und vom 11. bis 22. August 1914 die Bezeichnung "Armée d´Alsace" tragen, besetzen u.a. Thann, Mühlhausen, Turckheim und das Münstertal. Nach ersten "Grenzgefechten" mit der 7. deutschen Armee unter Generaloberst von Heeringen, so z.B. der 1. Schlacht bei Mühlhausen vom 08. bis 10. August, ziehen sich die Franzosen schrittweise auf die Vogesenhänge, den bisherigen Grenzkamm, zurück. Am 22. August verfügt das französische Hauptquartier, sich von nun an lediglich auf die Verteidigung dieses Grenzkammes zu beschränken. Jedoch wird zunächst eine Riegelstellung im Münstertal bzw. dem Tal der Fecht zur vorgeschobenen Sicherung der Schlucht-Paßstrasse, einer wichtigen Nachschubroute, besetzt gehalten. Zahlreiche Divisionen werden abgezogen, um sie den unter Verfolgung des Schliefenplanes auf Paris marschierenden deutschen Truppen  im Norden Frankreichs und in Flandern entgegenwerfen zu können. Die "Armée d´Alsace" wird am 25. August als Formation aufgelöst bzw. umbenannt und heißt von nun an "Groupement des Vosges". Infolge einer falschen Befehlsauslegung auf französischer Seite gelingt es den deutschen Truppen am 01. September die Stadt Münster und das Münstertal zurück zu erobern.
Bis in den späten Herbst hinein versuchen beide Seiten von nun an, strategisch bedeutende Höhenzüge, Aussichtspunkte, Pässe, sowie die Eingänge zu wichtigen Tälern zu besetzen und zu halten. So erobert beispielsweise das französische 28. BCA am 01. November den "Sommet du Violu".

Nach dem Stop des deutschen Vormarsches an der Marne beginnt Frankreich erneut, seine Bemühungen um das Elsaß zu verstärken. Der französische Oberbefehlshaber General Joffre hält am 14. November in Thann eine historische Ansprache an die Bevölkerung des Elsaß, in welcher er erklärt: "Unsere Rückkehr ist sicher... Ich bin Frankreich, ihr das Elsaß, ich erbiete euch den Kuß Frankreichs." So erobert am 01. Dezember das 28. BCA den "Tête des Faux" und besetzt am 25. dieses Monats den Vieil-Armand, also den Hartmannsweilerkopf (HWK), nachdem inzwischen beide Seiten die Bedeutung dieses Berges hinsichtlich der Beherrschung des jeweils gegnerischen Hinterlandes erkannt haben. Ebenfalls am 25. Dezember wird das neu formierte "Détachement d´Armée des Vosges" unter den Befehl von General Puz gestellt und rückt bis zum 07. Januar 1915 in Richtung der Stadt Cerney vor. Ein nachhaltiges Eindringen in die elsässische Ebene gelingt jedoch nicht. Außerordentlich heftige Gefechte finden bei Steinbach statt.

Am 14. Januar 1915 billigt das französische Hauptquartier einen Plan, diesen Durchbruch weiter im Süden, am HWK,  zu versuchen. Die Offensive ist für den 19. Januar geplant. Es kommt jedoch nicht so weit, da eben am 19. Januar deutsche Truppen einen Großangriff auf den HWK unternehmen, die Garnison der Alpenjäger (Ringburg) fällt nach tagelanger Belagerung und einem bisher im Hochgebirge für unmöglich gehaltenen Einsatz eines schweren Minenwerfers auf deutscher Seite am 22. Januar. Nun plant General Joffre einen Angriff auf Münster über die Höhen nördlich und südlich des Fechttals. Erneut kommen ihm die Deutschen zuvor: Am 12. Februar erobern sie Metzeral, eine Woche später den auch Reichackerkopf. Sofort beginnt die deutsche Artillerie, die Nachschublinie der Franzosen über den "Col de la Schlucht" zu beschießen, mir Erfolg. Die vorübergehende Zerstörung der Paßstrasse sorgt für erhebliche Nachschubprobleme, den französischen Truppen im Tal der Fecht mangelt es an Munition. Am 21. Februar erobern deutsche Truppen Hohrod, Hohrodberg und Stosswihr. Der enorm harte Winter macht beiden Seiten sehr zu schaffen. Die deutsche Offensive kommt am 24. Februar zum Stillstand. Vom 28. Februar bis zum 01. März versuchen die völlig erschöpften Deutschen nochmals einen Vorstoß gegen den Schluchtpaß, jedoch ohne Erfolg. Die Franzosen erobern am 06. März den Reichackerkopf zurück, um ihn am 20. wieder zu verlieren. Am 26. März erobern französische Jäger gemeinsam mit dem Infanterie Regiment 152 nach tagelangen schwersten Kämpfen erneut den HWK.

Am 04. April wird das "Détachement d´Armée des Vosges" zur 7. französischen Armee umformiert, den Befehl übernimmt General de Maud´Huy. Bis zum 17. des Monats dringen die Franzosen nördlich von Cerney und im Tal der Fecht weiter vor. Diese Offensive wird am 5. Mai wieder aufgenommen, ein Angriff auf die Höhe 830 scheitert jedoch. Fortan arbeiten die Franzosen am Ausbau ihrer Artillerie- stellungen um einen für Mitte Juni geplanten Großangriff im Tal der Fecht wirksam vorzubereiten. Dieser Angriff gegen die 19. deutsche Reserve Division, verstärkt durch bayerische Landwehr und der pereussischen 187. Infanterie Brigade, startet am 15. Juni mit der Eroberung der Höhe 830 und des Braunkopfes, am 21.fällt Metzeral, einen Tag später auch Sondernach erneut in französische Hand. Auch der Hilsenfirst kann von den Deutschen zunächst nicht gehalten werden, wird aber am 01. Juli zurückerobert. Anstatt den Angriff im Tal der Fecht weiter direkt gegen Münster fortzusetzen (die deutsche Front war beinahe zerschlagen), beschließt die französische Führung, Münster über die Höhe im Norden der Stadt anzugreifen, gegen die noch intakte Stellung in der Linie Lingenkopf-Schratzmaennele-Barrenkopf. Der Angriff auf den Lingenkopf wird zunächst für den 8. Juli geplant. Ihm gehen enorme logistische Anstrengungen voraus, neue Truppen, Artillerie und Munition werden herbeigeführt, Barackenlager und Verbandsplätze angelegt. Aus diesem Grund verschiebt sich der planmäßige Angriffstermin weiter auf den 12. Juli und nochmals auf den 18. dieses Monats. Letzlich beginnt der Sturm auf den Lingenkopf dann am 20. Juli 1915. Es folgen heftige Kämpfe, bei denen die Hügelstellungen immer wieder den Besitzer wechseln. Jedem Angriff folgt sofort ein Gegenangriff. Ende August erkennen die Franzosen endlich die Aussichtslosigkeit ihrer Anstrengungen, verzichten auf weitere Angriffe und ziehen ihre geschwächten Verbände nach und nach ab. Im Gegensatz dazu verstärken die Deutschen ihre Truppen in der Linge-Region enorm und starten, für die Franzosen völlig überraschend, am 31. August ihre Gegenoffensive, die bis zum 15. Oktober andauert, jedoch auch keine wesentlichen Geländegewinne mit sich bringt. Somit endet die Schlacht am Lingenkopf. Am selben Tag erobern deutsche Truppen erneut den HWK. Jener wird am 21. Dezember, wieder durch das französische Infanterie Regiment 152, zurückerobert, welches am nächsten Tag beim überraschenden Gegenangriff der Deutschen fast völlig vernichtet wird. Die Gegenangriffe anderer Verbände scheitern. Die letzte große Operation führen die Deutschen am 08. Januar 1916 durch, in deren Verlauf das märkische Infanterie Regiment 189 die letzte wichtige französische Stellung am HWK, den Hirzstein, nach schwerster Artillerievorbereitung nimmt. Von nun an unternehmen die Deutschen größte Anstrengungen, sowohl ihre Stellungen am HWK als auch die an der Linge-Front förmlich zu Festungen auszubauen. Die Fronten ertarren von nun an fast gänzlich. Natürlich werden auf beiden Seiten immer wieder kleinere Stoßtrupp- unternemungen durchgeführt, auch der tägliche Stellungskrieg fordert weiterhin große Opfer. Dennoch werden die Kampfgebiete im Elsaß bis Kriegsende in den Hauptquartieren beider Seiten als "ruhige Frontabschnitte" bezeichnet werden.

Als mit dem Waffenstillstand im November 1918 die Kriegsheere beider Seiten nach und nach das Elsaß verlassen, bleiben dort 49632 deutsche und  58588 französische Gefallene zurück. Sie fanden auf 34 deutschen und 56 französischen Kriegsgräberstätten ihre letzte Ruhe.



 
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