Der deutsche Soldatenfriedhof "am Bärenstall" in Hohrod/Elsaß

1914-1918



Wer von dem schönen Elsaß-Städtchen Munster aus das "Monument du Linge", also das Ehrenmal mit Museum am Lingenkopf, besuchen will, wählt am besten die Route über das Dorf Hohrod und dessen Teilgemeinde Hohrodberg. Von dort aus führt die Straße in langgezogenen Kurven durch den typischen Vogesenwald mit seinen mächtigen Nadelbäumen hinauf bis zum Sattel des Bärenstall-Passes. Hier, gut
1 km unterhalb des Lingekopfes, liegt an einem sanft ansteigenden Hügel, der deutsche Soldatenfriedhof Hohrod.
Ruhe und Frieden strahlt er aus, unwillkürlich erfaßt den  Besucher ehrfürchtiges Schweigen angesichts der langen Reihen schlichter schwarzer Metallkreuze, von denen doch jedes für ein Schicksal, für unvorstellbares Elend, unendliches Leid und letztlich ein ganz persönliches Drama steht.

Bereits während des Krieges wurde der Friedhof Hohrod von den deutschen Truppen angelegt. Im Versailler Vertrag vereinbarten die ehemaligen Kriegsteilnehmer ein fortdauerndes Ruherecht für die Kriegstoten. Dies hatte zur Folge, daß die toten Soldaten des jeweiligen Kampfgebietes, die bislang auf provisorischen Friedhöfen oder irgendwo auf den einstigen Schlachtfeldern ruhten, geborgen bzw. umgebettet und auf zentral gelegenen Großfriedhöfen zusammengelegt wurden. Trotz großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten  erfüllten die französischen Behörden ihre eingegangenen Verpflichtungen gegenüber den deutschen Gefallenen! Als Folge einer Vereinbarung mit den französischen Militärbehörden im Jahre 1926 begann der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit ersten Arbeiten an der Anlage.
So wurde z.B. der Bau einer Stützmauer  hin zur Straßenseite, sowie die Einfassung des Kameraden- grabes, jeweils aus Bruchstein, vorgenommen. Der Pflegedienst des Volksbundes betreut, restauriert und gestaltet den Friedhof Hohrod bis heute.

Gleich am Eingang klärt eine Gedenktafel in deutscher und französischer Sprache darüber auf, daß auf diesem Friedhof 2438 deutsche Soldaten des Krieges 1914-1918 ihre letzte Ruhe gefunden haben. Sie fielen in den Kämpfen zwischen dem Tal der Fecht und dem Weißbachtal sowie den großen Paß-Straßen über Schlucht- und Bonhommepaß. Ein Großteil der hier Begrabenen kam bei den heftigen Kämpfen an der Lingenkopffront im Sommer 1915 ums Leben. Sehr viele von ihnen standen in bayrischen Regimentern. Darüber hinaus ruhen hier jedoch auch viele Soldaten aus Württemberg, Baden, dem Rheinland, Hannover, Braunschweig und Ostfriesland.

Jedes Einzelrab ist gekennzeichnet durch ein Kreuz , welches in weißer Schrift Name, Rang und Todestag des Gefallenen angibt. Auch 27 unbekannte Soldaten ruhen in Einzelgräbern.

Zwischen den dichten Reihen schwarzer Kreuze fallen 6 Grabmale aus Naturstein auf. Es sind dies Gräber gefallener Soldaten jüdischen Glaubens. In hebräischer Schrift steht auf ihnen geschrieben:
Hier ruht begraben...

Möge seine Seele eingebunden
sein in den Kreis der Lebenden.
Ein gepflasterter Weg führt hinauf zur Stirnseite des Friedhofes, wo sich, umfasst von einer kleinen Steinmauer, das Kameradengrab befindet. Die Namen der identifizierten Toten dieses Grabes, ihr Dienstgrad sowie ihr Todestag sind Tafeln, die sich auf der Grabstätte selbst befinden, zu entnehmen. Zwei Steinsäulen flankieren diese Ruhestätte von 942 Gefallenen, von denen 542 unbekannt blieben.
Die rechte Säule trägt folgende Inschrift:

Wanderer verweile in Andacht
und künde zuhause
wie wir als Männer gefallen
in Treue zur Heimat.

Auf der linken Säule steht:

Wir liegen zusammen in Reih und Glied
wir standen zusammen im Leben
drum gleiches Kreuz und gleicher Schmuck
ward uns aufs Grab gegeben.
Nun ruhen wir aus vom heißen Streit
1914        und harren getrost der Ewigkeit       1918

Das Belegungsbuch mit einer alphabetischen Liste der auf dem Friedhof  "am Bärenstall"  ruhenden Soldaten befindet sich in einem Kasten am Eingangstor. Hier ist auch das Besucherbuch untergebracht. Menschen aus zahlreichen Ländern haben hier ihre Eindrücke beim Besuch dieses Ortes, dem in aller der Regel ein Besuch des Lingenkopfes vorausging, niedergeschrieben. Allen Einträgen liegt der Wunsch zugrunde, daß die Menschheit die Schrecken dieses Krieges als Mahnung nehmen und aus ihnen lernen möge! Die Tatsache, daß noch vor der endgültigen Fertigstellung des Friedhofes Hohrod ein zweiter schrecklicher Krieg diese Region und darüber hinaus die ganze Welt überzog, sei hier nur am Rande erwähnt.

Außerhalb des eigentlichen Friedhofsgeländes befindet sich ein Gefallenendenkmal, welches ebenfalls bereits während des Krieges errichtet wurde. Gedenktafeln und Inschriften wurden nach dem Krieg jedoch entfernt. Folgende Passage legt den Schluß nahe, daß das Monument von  Soldaten des aus Bayern stammenden Landwehr Infanterie Regiments Nr.2 errichtet wurde:

Die 7 gefallenen Offiziere habe wir in der Nähe der Stelle, wo sie den Heldentod fanden, am Bärenstall,
bestattet und ihnen, wie auch unseren tapferen Wehrmännern, die mit ihnen auf dem Feld der Ehre
geblieben sind, dort ein einfaches, wuchtiges Denkmal aus Vogesengestein errichtet.
                                                                                                                                                                            (von Hübner, 1923, S. 75)

 

Gefallenendenkmal am Bärenstall damals...                                                 ...und heute.

Seiner gefallenen Soldaten zu gedenken ist für jedes Volk ein Akt der Ehre und höchster Sittlichkeit

(Aufdruck einer Kranzschärpe am Kameradengrab von Hohrod im Mai 2000)



 
Zurück
Seitenanfang
Home