Als die Herbstnebel die Vogesentäler zu füllen begannen, wurde das Regiment in den Tagen vom 27. bis 30. September aus seiner Stellung herausgezogen und nördlich des Fechttals auf der Höhenlinie Schratzmännele-Lingekopf eingesetzt.

Die neue Stellung auf dem ehemals bewaldeten, jetzt nur noch mit zerfetzten Baumstümpfen und zerklüfteten Gestein bedeckten Höhenkamm war zuvor durch ständig wechselnde Truppenteilen besetzt und monatelang der Schauplatz heftiger Kämpfe gewesen. Auch hier hatten die Junikämpfe gegen die angreifenden Truppen des Generals Maud Huy getobt. Die ganze vordere Linie war völlig zerstört und nur hastig und unvollkommen – teilweise nur mit Sandsäcken – im feindlichen Artilleriefeuer wieder aufgebaut worden. Die Unterkünfte boten weder gegen feindliches Feuer noch gegen die beginnende kalte Jahreszeit

auch nur den allernotdürftigsten Schutz. Nachdem das Regiment seine alte Stellung in monatelanger harter Arbeit ausgebaut und eingerichtet hatte, mußte es nunmehr unter ungünstigen Verhältnissen wieder völlig von vorne anfangen. War auch zur Zeit der Artilleriekampf nicht rege, so herrscht doch fast ununterbrochenes Nahgefecht mit Hand– und Gewehrgranaten, so dass die täglichen Verluste erheblich höher waren als die im vorigen Abschnitt.
In einem Abschnitt des Grabengewirrs auf dem Kamm des Schratzmännele saß noch der Feind und konnte, wenn auch durch Handgranaten, Minen und Gewehrgranten ständig in Schach gehalten, die eigenen Unterkünfte und rückwärtigen Verbindungen diesseits des Hanges einsehen.
 

Schützengraben der
1. Kompanie IR 187

Das Regiment erhielt den Befehl, das in Betracht kommende, etwa 100 Meter breite Grabenstück zu säubern. Der Angriff, in der Abenddämmerung des 12. Oktober, überfallartig ohne Artillerievorbereitung, aber mit reichlicher Artillerieunterstützung und mit Hilfe einer Sturmabteilung des III. Garde-Pionier-Bataillons mit Flammenwerfern begonnen, glückte restlos. Die Hauptlast des Kampfes trugen, wie immer in solchen Fällen, nicht so sehr die Matadore der Sturmabteilung, deren Schneid höchste Anerkennung gebührt, die aber alsbald nach Erreichen des Angriffsziels wieder abrückten, sondern die 187er. Ihre schwere Aufgabe war es, den neu genommenen Graben gegen alle Gegenangriffe zu halten. Diese ließen nicht auf sich warten. In der Nacht vom 15. zum 16. Oktober versuchten die Franzosen, das Ihnen am 12. entrissene Grabenstück wiederzunehmen. Der Angriff wurde mit Handgranaten glatt abgewiesen.
 

Genommener Graben auf dem Schratz 
Schützengraben der 2. Kompanie IR 187

Dasselber Schicksal hatte ein mit großer Heftigkeit geführter Handgranatenangriff am Abend des 17. Oktober. Am 18. Oktober abends versuchte der Gegener einen letzten Angriff, nachdem er anscheinend seine vorderen Gräben geräumt hatte, um die deutschen Gräben mit Artillerie sturmreif zu schießen. Der Angriff gelangte jedoch nur bis an das eigene Drahtverhau, wo er zusammenbrach. Seitdem machten die Franzosen keinerlei Anstrengungen mehr, das Verlorene wieder zu gewinnen.
Die Verluste des Regiments betrugen in diesen Tagen 17 Tote und 73 Verwundete. Besonders hervorgetan haben sich die 5., 10. und 11. Kompanie.
Gleich nach der Übernahme der Stellungen wurden die stark zerschossenen und nur mit Sandsäcken gesicherten Gräben festungsartig ausgebaut, unter anderem auch das Fort Lingekopf mit dem Eingangschild.
 

Grabenausbau im Okt. 15
Ein Opfer des Kampfes

 
Der vorderste Graben mit Schießscharten der 2. Komp.
Der Osthang des Lingekopfes

Anmerkung: Diese vorwiegend von der 2. Komp. IR. 187 ausgebauten Gräben sind heute noch zu besichtigen. Ebenso die noch später von anderen Einheiten rückwärtigen Bunker. Die nach dem Angriff am 12. 10 1915 verlaufende Frontlinie am Lingekopf selber, geht aus angefügter Karte hervor. Die deutschen Gräben sind heute weitgehend zu besichtigen. Auf der Seite der französichen Gräben vermutet man heute nach 6000 vermißte Franzosen. Dort liegen auch noch ungezählte Blindgänger, so dass man die Gefallenen leider nicht bergen kann.

Schützengraben der 4.
Kompanie IR 187

 
Fort Lingekopf im Bau
Zwei Kameraden im Fort Lingekopf

Im Gegensatz zu den Franzosen, die alles durch die Schlucht zu Fuß heranbringen mußten, wurden die deutschen Einheiten auf dem Barrenkopf, dem Schratzmännele und dem Lingekopf mittels einer Feldbahn versorgt.
 

Die Schmalspurbahn (Feldbahn) von Drei Ähren zum Schratzmännele zur Versorgung der kämpfenden Truppe

Die Gefechtes des Regiments am Pavillonberg, Reichsackerkopf und Schratzmännele bildeten die Höhepunkte der Gefechtstätigkeit in den Vogesen. Es war in der Folgezeit bis Anfang Juli 1916 innerhalb der Linie Barrenkopf – Rehberg – Stoßweier eingesetzt.
Im Oktober 1915 wurde auch mit der Bildung der Regimentsmusik begonnen, die bereits Anfang November die von den schweren Kämpfen am Schratzmännele und Lingekopf in Ruhestellunge rückenden Bataillone mit klingendem Spiel begrüßen konnte. Unter Leitung des Musikmeisters Rotermund wuchs sich die Regimentsmusik in kurzer Zeit zu einer Kapelle aus und der Truppe auf manchem Marsch Rhythmus und Schwung verliehen, in manchen Ruhequartieren Freude und Erholung spendeten.
Nach den anhaltenden Kämpfen konnte das Regiment im November 1915 einige Tage der Ruhe und Erholung genießen. Das I. Bataillon lag in Ostheim. Trotz der Ruhe mußte eine Parade vor dem Befehlshaber General Gaede stattfinden, bevor das Bataillon für den Dezember in Hohrod in Stellung ging, wo der Winter auch den Schnee sandte. Da die Franzo-sen die Angriffstätigkeiten in diesem Abschnitt auf Befehl des Generals de Pouydraguin ein-gestellt hatten, fanden nur geringe Kampfhandlungen und Handgranatenkämpfe statt.

Graben bei Hohrod 
Der Bataillonsstab

Rechtzeitig zum Weihnachtsfest wurden die Einheiten abgelöst und konnte in Ruhe das Weihnachtsfest in Ostheim, Hausen, Holzweier, Ingersheim, Niedermorschweier, Sigols-heim, Mittelweier und Bennweier, in freundlichen Bürgerquartieren untergebracht, feiern. Der von den Franzosen durchgeführte Angriff auf den Hartmannsweilerkopf am 22. Dezember 1915 tangierte das Regiment kaum. Es mußte nicht eingreifen, denn der sofort am 23. De-zember durchgeführte Gegenangriff war erfolgreich.
 
 

Weihnachten in Hausen, Hauptmann Biel hatte Besuch von seiner Frau

Aber gleich nach Neujahr, am 3. Januar 1916 hieß es wieder, die alten Stellungen am Krähenberg – Pavillonberg bis zum 18. April 1916 beziehen. Das I. Bataillon war nun schon zum dritten Mal in dieser gut ausgebauten Stellung. Es löste das Garde-Schützen-Bataillon ab und unterstand dem bayerischen Reserve Infanterie-Regiment 22. Die Bayern sahen zunächst mit Mißtrauen auf die „Saupreußen“, wurden aber eines Besseren belehrt. Rückhaltlose Anerkennung wurde dem Bataillon zu verschiedenen Malen aus dem Munde des bayerischen Regts.- Brigade- und Divisionskommandeurs zuteil.

Sowohl zur Versorgung der Truppe mit Munition und Baumaterial, als auch zur Versorgung der guten Kantine mit dem guten bayerischen Bier hatte der Bataillonstischler Buchheister zusammen mit dem Schmied Tomasczewski eine Drahtseilbahn installiert. Der Kantinenwirt Christiansen verstand es, alle Wünsche seiner Käufer zu befriedigen. Er verschaffte der Kantine einen solchen Ruf, dass selbst der Brigade- und Divisionskommandeur ihren Schnaps, damals die Flasche noch für ganze 2,50 Mk, dort bezogen.
 

 Die Stellung am Pavillonberg

Die Stellung selber war so günstig gelegen, am Krähen- und am Engelberg im Waldrande, am Pavillonberg am Hang, dass der Franzose den Deutschen verhältnismäßig wenig anhaben konnte. Das I. Bataillon hingegen bildete sich mit der Zeit in dieser Stellung zu dem reinsten Minenwerferbataillon aus. Alle Arten von Minenwerfer von den gezogenen schweren Werfern der Minenwerferkompanie bis zur Gewehrgranate wurden eingebaut und in ihrer Wirkung ausprobiert. Weit über das Bataillon hinaus wurde die Batterie Wessig (Lt. Wessig, nach dem Krieg Rechtsanwalt in Hamburg) bekannt. Zwischen den Kompanien entstand ein Wetteifern, das soweit ging, das mit Hilfe des „Lokalanzeigers“, den Informationen aus der Horchleitung, die den Franzosen beigebrachten Verluste allmonatlich verglichen wurden. Die abgehörten Meldungen ergaben, dass die Franzosen folgende Verluste hatten:
   im Januar   2 Tote  12 Verwundete
   im Februar   0 Tote  18 Verwundete
   im März   11 Tote  57 Verwundete
   vom 1 – 18. April 5 Tote  38 Verwundete.

Die im September von Oberleutnant Dose angelegte Horchleitung hatte sich seit ihrer Einrichtung erheblich verbessert. Es war eine sogenannte Arendt-Station eingebaut, die eine erhebliche Lautverstärkung ermöglichte. Konnten früher nur in vorderster Linie geführte Gespräche und diese nur bruchweise verstanden werden, so war jetzt das Gespräch zusammenhängend verständlich, auch wenn es weiter hinter der Front geführt wurde.
 

Lanz-Minenwerfer 
Gewehrgranaten

Außer den schon erwähnten Verlustmeldungen wurden wichtige Mitteilungen abgehört. So wurden Ablösungen schon vorher bekannt, so dass diese erheblich gestört werden konnten und man erfuhr prompt die Bezeichnung des neuen Truppenteils. Die eigenen Telefonisten freuten sich  immer, wenn sie hörten, wie ihre Kollegen von der Gegenseite über die zerschossenen Leitungen und schlechten Apparate schimpften. So sagte zum Beispiel einmal der Posten A zum Kameraden Nikola: „Wenn dein Apparat nicht bald besser geht, erwürge ich Dich noch!“ Ein ander Mal erreget es große Freude, als der Jäger Renard vom 2. Zuge der 3. Kompanie des 23. Jägerbataillons drei Tage Arrest bekam, weil er einen Tag zu spät von seinem Urlaub zurückgekehrt war. Ein ander Mal wird über das Essen geschimpft, dann über die schlecht oder garnicht schießende eigene (französische) Artillerie usw. In Metzeral war anscheinend eine nette Marketenderin mit Namen Ninie. Umsonst sind sicher nicht die sehnsuchtsvollen Worte am 9. 1. 1916, 5 Uhr 30 nachm (17,30 Uhr) von einem Telefonisten gefallen: „Ja, die Ninie“ auf die Frage hin, ob er abends nach Metzeral käme. Die Leiden, Klagen und auch Freuden sind eben bei den Franzosen genau dieselben wie bei den Deutschen.
 

Der Regimentskommandeur Major Scheuermann an seinem Geburtstag am 24. Juni 1916
Regimentsmusik, von links: General Gaede, Musikmeister Rotermund, Kriegsminister Wild von Hohenborn in Winzenheim, Juni 1916

Nicht all zu lange vor dem endgültigen Abschied des Bataillon aus der Stellung bewahrte die Horchleitung die 3. Kompanie noch vor wahrscheinlichen Verlusten. „August“, d. h. eine 24 cm Batterie der Franzosen, sollte das CAMP ROMAIN, d. h. die Wohnstellung der 3. Kompanie, beschießen als Vergeltung für den andauernden Minenbeschuß. Rechtzeitig wurde die Absicht bekannt, so dass die Wohnstellung noch in der Nacht geräumt wurde. Die 3. Kompanie konnte dann in Seelenruhe aus den Kellern von Sendenbach der Beschießung ihrer Stellung zusehen, in der auch allerhand Sachschaden angerichtet wurde. Am 18. April, also nach einem Aufenthalt von mehr als einem viertel Jahr, verließ das Bataillon die Krähenberg-Pavillon-Stellung, um nach wenigen Tagen Ruhe in Colmar wieder im Rahmen des Regiments in der Stellung Eichwald-Rebberg (Hohrod) eingesetzt zu werden. Von Mitte April bis Mitte Juli war das I. Bataillon wieder in der ihr schon bekannten Stellung, um von dort zum Hilsenfirst in den Hochvogesen verlegt zu werden. Am 10. Juni 1916 wurde der Adjudant des I. Bataillons Oberleutnant Wolf Dose zum Regimentsstab als Regimentsadjudant versetzt. Sowohl das I. Bataillon als auch das restliche Regiment, das im Abschnitt Roßmatt – Hilsenfirst eingesetzt war, blieben bis Mitte August in diesem Frontabschnitt.
 

Ein in die Luft geflogenes Munitionsdepot der mittleren Ladungswerfer
Friedhof am Hilsenfirst

Als an den Vogesenhängen der gelbe Ginster blühte und sich der Gründungstag des Regiments zum ersten Male jährte, war es auf dem elsässischen Kriegsschauplatz stiller geworden. Die blutigen Sommerkämpfe der“zweiten Schlacht um Münster“ wiederholte sich im Jahre 1916 nicht, das Schwergewicht der damals als kriegsentscheidend geltenden Kämpfe lag bei Verdun und an der Somme. Aus der Brigade nebst zugeteilter Artillerie wurde im Sommer 1916 die preußische 187. Inf. Division. Gleichzeitig wurden die Abschnitte erweitert. Mitte August wurde die Truppe aus der Hauptkampflinie herausgezogen und war in Colmar bis zum Ende des Monats in Ruhe.
Durch das Eingreifen Rumäniens in den Krieg, entstand eine neue Phase des Krieges und es hieß für die 187er Anfang September 1916 alles verladen und der Truppentransport rollte gen Osten dem neuen Kriegsschauplatz entgegen, wo sie bis zum Februar 1917 blieben, um dann später die schweren Kämpfe in Flandern zu bestehen. 


Gerhard Friedrich Dose,
Laudenbach, im November 2001


Der Weg des Infanterie Regiments187 durch den 
Rumänien Feldzug ist beschrieben auf der Web-Site
Deutschland 14-18 von Hubertus Ochsler
-bitte anklicken-


 
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