auch nur den allernotdürftigsten Schutz. Nachdem das Regiment seine
alte Stellung in monatelanger harter Arbeit ausgebaut und eingerichtet
hatte, mußte es nunmehr unter ungünstigen Verhältnissen
wieder völlig von vorne anfangen. War auch zur Zeit der Artilleriekampf
nicht rege, so herrscht doch fast ununterbrochenes Nahgefecht mit Hand–
und Gewehrgranaten, so dass die täglichen Verluste erheblich höher
waren als die im vorigen Abschnitt.
In einem Abschnitt des Grabengewirrs auf dem Kamm des Schratzmännele
saß noch der Feind und konnte, wenn auch durch Handgranaten, Minen
und Gewehrgranten ständig in Schach gehalten, die eigenen Unterkünfte
und rückwärtigen Verbindungen diesseits des Hanges einsehen.
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Schützengraben der
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1. Kompanie IR 187 |
Das Regiment erhielt den Befehl, das in Betracht kommende, etwa 100
Meter breite Grabenstück zu säubern. Der Angriff, in der Abenddämmerung
des 12. Oktober, überfallartig ohne Artillerievorbereitung, aber mit
reichlicher Artillerieunterstützung und mit Hilfe einer Sturmabteilung
des III. Garde-Pionier-Bataillons mit Flammenwerfern begonnen, glückte
restlos. Die Hauptlast des Kampfes trugen, wie immer in solchen Fällen,
nicht so sehr die Matadore der Sturmabteilung, deren Schneid höchste
Anerkennung gebührt, die aber alsbald nach Erreichen des Angriffsziels
wieder abrückten, sondern die 187er. Ihre schwere Aufgabe war es,
den neu genommenen Graben gegen alle Gegenangriffe zu halten. Diese ließen
nicht auf sich warten. In der Nacht vom 15. zum 16. Oktober versuchten
die Franzosen, das Ihnen am 12. entrissene Grabenstück wiederzunehmen.
Der Angriff wurde mit Handgranaten glatt abgewiesen.
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Dasselber Schicksal hatte ein mit großer Heftigkeit geführter
Handgranatenangriff am Abend des 17. Oktober. Am 18. Oktober abends versuchte
der Gegener einen letzten Angriff, nachdem er anscheinend seine vorderen
Gräben geräumt hatte, um die deutschen Gräben mit Artillerie
sturmreif zu schießen. Der Angriff gelangte jedoch nur bis an das
eigene Drahtverhau, wo er zusammenbrach. Seitdem machten die Franzosen
keinerlei Anstrengungen mehr, das Verlorene wieder zu gewinnen.
Die Verluste des Regiments betrugen in diesen Tagen 17 Tote und 73
Verwundete. Besonders hervorgetan haben sich die 5., 10. und 11. Kompanie.
Gleich nach der Übernahme der Stellungen wurden die stark zerschossenen
und nur mit Sandsäcken gesicherten Gräben festungsartig ausgebaut,
unter anderem auch das Fort Lingekopf mit dem Eingangschild.
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Anmerkung: Diese vorwiegend von der 2. Komp. IR. 187 ausgebauten Gräben
sind heute noch zu besichtigen. Ebenso die noch später von anderen
Einheiten rückwärtigen Bunker. Die nach dem Angriff am 12. 10
1915 verlaufende Frontlinie am Lingekopf selber, geht
aus angefügter Karte hervor. Die deutschen Gräben sind heute
weitgehend zu besichtigen. Auf der Seite der französichen Gräben
vermutet man heute nach 6000 vermißte Franzosen. Dort liegen auch
noch ungezählte Blindgänger, so dass man die Gefallenen leider
nicht bergen kann.
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Schützengraben der 4.
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Kompanie IR 187 |
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Im Gegensatz zu den Franzosen, die alles durch die Schlucht zu Fuß
heranbringen mußten, wurden die deutschen Einheiten auf dem Barrenkopf,
dem Schratzmännele und dem Lingekopf mittels einer Feldbahn versorgt.
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Die Gefechtes des Regiments am Pavillonberg, Reichsackerkopf und Schratzmännele
bildeten die Höhepunkte der Gefechtstätigkeit in den Vogesen.
Es war in der Folgezeit bis Anfang Juli 1916 innerhalb der Linie Barrenkopf
– Rehberg – Stoßweier eingesetzt.
Im Oktober 1915 wurde auch mit der Bildung der Regimentsmusik begonnen,
die bereits Anfang November die von den schweren Kämpfen am Schratzmännele
und Lingekopf in Ruhestellunge rückenden Bataillone mit klingendem
Spiel begrüßen konnte. Unter Leitung des Musikmeisters Rotermund
wuchs sich die Regimentsmusik in kurzer Zeit zu einer Kapelle aus und der
Truppe auf manchem Marsch Rhythmus und Schwung verliehen, in manchen Ruhequartieren
Freude und Erholung spendeten.
Nach den anhaltenden Kämpfen konnte das Regiment im November 1915
einige Tage der Ruhe und Erholung genießen. Das I. Bataillon lag
in Ostheim. Trotz der Ruhe mußte eine Parade vor dem Befehlshaber
General Gaede stattfinden, bevor das Bataillon für den Dezember in
Hohrod
in Stellung ging, wo der Winter auch den Schnee sandte. Da die Franzo-sen
die Angriffstätigkeiten in diesem Abschnitt auf Befehl des Generals
de Pouydraguin ein-gestellt hatten, fanden nur geringe Kampfhandlungen
und Handgranatenkämpfe statt.
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Rechtzeitig zum Weihnachtsfest wurden die Einheiten abgelöst und
konnte in Ruhe das Weihnachtsfest in Ostheim, Hausen, Holzweier, Ingersheim,
Niedermorschweier, Sigols-heim, Mittelweier und Bennweier, in freundlichen
Bürgerquartieren untergebracht, feiern. Der von den Franzosen durchgeführte
Angriff auf den Hartmannsweilerkopf am 22. Dezember 1915 tangierte das
Regiment kaum. Es mußte nicht eingreifen, denn der sofort am 23.
De-zember durchgeführte Gegenangriff war erfolgreich.
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Sowohl zur Versorgung der Truppe mit Munition und Baumaterial, als auch
zur Versorgung der guten Kantine mit dem guten bayerischen Bier hatte der
Bataillonstischler Buchheister zusammen mit dem Schmied Tomasczewski eine
Drahtseilbahn installiert. Der Kantinenwirt Christiansen verstand es, alle
Wünsche seiner Käufer zu befriedigen. Er verschaffte der Kantine
einen solchen Ruf, dass selbst der Brigade- und Divisionskommandeur ihren
Schnaps, damals die Flasche noch für ganze 2,50 Mk, dort bezogen.
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Die Stellung selber war so günstig gelegen, am Krähen- und
am Engelberg im Waldrande, am Pavillonberg am Hang, dass der Franzose den
Deutschen verhältnismäßig wenig anhaben konnte. Das I.
Bataillon hingegen bildete sich mit der Zeit in dieser Stellung zu dem
reinsten Minenwerferbataillon aus. Alle Arten von Minenwerfer von den gezogenen
schweren Werfern der Minenwerferkompanie bis zur Gewehrgranate wurden eingebaut
und in ihrer Wirkung ausprobiert. Weit über das Bataillon hinaus wurde
die Batterie Wessig (Lt. Wessig, nach dem Krieg Rechtsanwalt in Hamburg)
bekannt. Zwischen den Kompanien entstand ein Wetteifern, das soweit ging,
das mit Hilfe des „Lokalanzeigers“, den Informationen aus der Horchleitung,
die den Franzosen beigebrachten Verluste allmonatlich verglichen wurden.
Die abgehörten Meldungen ergaben, dass die Franzosen folgende Verluste
hatten:
im Januar 2 Tote 12 Verwundete
im Februar 0 Tote 18 Verwundete
im März 11 Tote 57 Verwundete
vom 1 – 18. April 5 Tote 38 Verwundete.
Die im September von Oberleutnant Dose angelegte Horchleitung hatte
sich seit ihrer Einrichtung erheblich verbessert. Es war eine sogenannte
Arendt-Station eingebaut, die eine erhebliche Lautverstärkung ermöglichte.
Konnten früher nur in vorderster Linie geführte Gespräche
und diese nur bruchweise verstanden werden, so war jetzt das Gespräch
zusammenhängend verständlich, auch wenn es weiter hinter der
Front geführt wurde.
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Außer den schon erwähnten Verlustmeldungen wurden wichtige
Mitteilungen abgehört. So wurden Ablösungen schon vorher bekannt,
so dass diese erheblich gestört werden konnten und man erfuhr prompt
die Bezeichnung des neuen Truppenteils. Die eigenen Telefonisten freuten
sich immer, wenn sie hörten, wie ihre Kollegen von der Gegenseite
über die zerschossenen Leitungen und schlechten Apparate schimpften.
So sagte zum Beispiel einmal der Posten A zum Kameraden Nikola: „Wenn dein
Apparat nicht bald besser geht, erwürge ich Dich noch!“ Ein ander
Mal erreget es große Freude, als der Jäger Renard vom 2. Zuge
der 3. Kompanie des 23. Jägerbataillons drei Tage Arrest bekam, weil
er einen Tag zu spät von seinem Urlaub zurückgekehrt war. Ein
ander Mal wird über das Essen geschimpft, dann über die schlecht
oder garnicht schießende eigene (französische) Artillerie usw.
In Metzeral war anscheinend eine nette Marketenderin mit Namen Ninie. Umsonst
sind sicher nicht die sehnsuchtsvollen Worte am 9. 1. 1916, 5 Uhr 30 nachm
(17,30 Uhr) von einem Telefonisten gefallen: „Ja, die Ninie“ auf die Frage
hin, ob er abends nach Metzeral käme. Die Leiden, Klagen und auch
Freuden sind eben bei den Franzosen genau dieselben wie bei den Deutschen.
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Nicht all zu lange vor dem endgültigen Abschied des Bataillon aus
der Stellung bewahrte die Horchleitung die 3. Kompanie noch vor wahrscheinlichen
Verlusten. „August“, d. h. eine 24 cm Batterie der Franzosen, sollte das
CAMP ROMAIN, d. h. die Wohnstellung der 3. Kompanie, beschießen als
Vergeltung für den andauernden Minenbeschuß. Rechtzeitig wurde
die Absicht bekannt, so dass die Wohnstellung noch in der Nacht geräumt
wurde. Die 3. Kompanie konnte dann in Seelenruhe aus den Kellern von Sendenbach
der Beschießung ihrer Stellung zusehen, in der auch allerhand Sachschaden
angerichtet wurde. Am 18. April, also nach einem Aufenthalt von mehr als
einem viertel Jahr, verließ das Bataillon die Krähenberg-Pavillon-Stellung,
um nach wenigen Tagen Ruhe in Colmar wieder im Rahmen des Regiments in
der Stellung Eichwald-Rebberg (Hohrod) eingesetzt zu werden. Von Mitte
April bis Mitte Juli war das I. Bataillon wieder in der ihr schon bekannten
Stellung, um von dort zum Hilsenfirst in den Hochvogesen verlegt zu werden.
Am 10. Juni 1916 wurde der Adjudant des I. Bataillons Oberleutnant Wolf
Dose zum Regimentsstab als Regimentsadjudant versetzt. Sowohl das I. Bataillon
als auch das restliche Regiment, das im Abschnitt Roßmatt – Hilsenfirst
eingesetzt war, blieben bis Mitte August in diesem Frontabschnitt.
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Als an den Vogesenhängen der gelbe Ginster blühte und sich
der Gründungstag des Regiments zum ersten Male jährte, war es
auf dem elsässischen Kriegsschauplatz stiller geworden. Die blutigen
Sommerkämpfe der“zweiten Schlacht um Münster“ wiederholte sich
im Jahre 1916 nicht, das Schwergewicht der damals als kriegsentscheidend
geltenden Kämpfe lag bei Verdun und an der Somme. Aus der Brigade
nebst zugeteilter Artillerie wurde im Sommer 1916 die preußische
187. Inf. Division. Gleichzeitig wurden die Abschnitte erweitert. Mitte
August wurde die Truppe aus der Hauptkampflinie herausgezogen und war in
Colmar bis zum Ende des Monats in Ruhe.
Durch das Eingreifen Rumäniens in den Krieg, entstand eine neue
Phase des Krieges und es hieß für die 187er Anfang September
1916 alles verladen und der Truppentransport rollte gen Osten dem neuen
Kriegsschauplatz entgegen, wo sie bis zum Februar 1917 blieben, um dann
später die schweren Kämpfe in Flandern zu bestehen.
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Rumänien Feldzug ist beschrieben auf der Web-Site Deutschland 14-18 von Hubertus Ochsler -bitte anklicken- |
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