Das Infanterie Regiment 187
in den Vogesen 1915-1916
-von Gerhard Friedrich Dose-

Vorwort

Unser älterer Sohn hatte seinen Führerschein gemacht und er sollte nun etwas Praxis bekommen. Aus diesem Grunde planten wir über die Ostertage 1975 eine Reise ins Elsaß. So kamen wir mehr zufällig als gewollt auch zum Lingekopf. Wir waren erstaunt, dort noch gut erhaltene Grabenstellungen mit gepflegten Laufwegen und Hinweisschildern zu finden. Das „Memorial du Linge 1915“ bestand noch nicht. Wir gingen an und in den Gräben, als unsere beiden Söhne kamen und sagten: „Vati, wir haben ein Grabenschild gefunden, auf dem steht die Einheit Deines Vaters.“ Ich wurde neugierig, wußte ich doch aus der von meinem Vater heraus gegebenen Regimentsgeschichte „Die 187er im Felde“ und den 6 Fotoalben über den ersten Weltkrieg, dass er in den Vogesen gewesen war. Meine Frau und ich ließen uns von unseren Söhnen hinführen.

 

Eingang zum Fort Lingekopf (1975)
Grabenschild des Fort (2001)

Wir besuchten den Lingekopf immer mal wieder. Als wir nach einem längeren Zeitabschnitt im Juli 1982 wieder hinkamen, fanden wir nunmehr das „Memorial“ vor und ich sprach mit dem am 03. Januar 1989 verstorbenen Monsieur Fernand Bossharth. Seitdem bin ich in Kontakt mit den Mitgliedern des Memorials. So wurde im Herbst 1989 mit Monsieur Norbert Fleckinger, Colmar, telefonisch besprochen, dass ich als Hamburger den deutschen Text für das Tonband der DIA-Schau sprechen solle, weil das IR 187 hauptsächlich aus Norddeutschen bestand.
Herr Fleckinger hat dann nach der DIA-Schau einen Videofilm gestaltet und den später noch einmal überarbeitet, wobei er den Film dem 1989 gesprochenen Text anpassen konnte.
Bei unseren weiteren Besuchen, jedes Jahr mindestens einmal, konnten wir sehen, dass eigentlich zu jeder Jahreszeit interessierte Besucher anzutreffen waren und das Museum nach und nach zu einem attraktiven Informationszentrum ausgebaut wurde.
 

 Das „Memorial“ (2001)
Hauptraum des „Memorial“ (2001)

 Angeregt durch die sehr gute Homepage von Alexander Kallis kam mir der Gedanke, diese Homepage mit der Historie des „Königlich Preußischen Infanterie Regiments 187“ von der Gründung 1915, den Einsätzen in den Vogesen bis zur Verlegung nach Rumänien zu ergänzen. Hierfür habe ich die Aufzeichnungen von Rittmeister d. Res. Barandon und Hauptmann Dose im Buch „Die 187er im Felde“ verwendet und mit gescannten Aufnahmen aus den schon erwähnten Kriegsalben meines Vaters ergänzt. Die in den Berichten zitierten Gefechtsberichte und Tagesbefehle habe ich wörtlich übernommen und zur Kennzeichnung in kursiv geschrieben.

Der Kriegsbeginn

Als der Krieg am 3. August 1914 zwischen Deutschland und Frankreich ausbrach, gelang es in den ersten Kriegstagen einer französischen Kavallerie Patrouille bis nach Colmar vorzu-stoßen. Die nachstehenden Fotos zeigen die Patrouille auf der Rufacher Straße, wie sie 1914 hieß. (Die Fotos machte Severin Schoy in Colmar)
 

Die Patrouille zog sich, soweit bekannt, unbehelligt wieder bis zum Grenzkamm zurück. Die darauf folgenden Truppenbewegungen der französischen Armee und der deutschen Gegenmaßnahmen sind in der „Chronologie der Vogesenkämpfe 1914 – 1918“ der Homepage von Alexander Kallis ausführlich beschrieben.
 

Die Daten des I. Bataillons des Königlich Preußischen Infanterie Regiments 187

Die Daten der einzelnen Einsätze und Ruhestellungen wurden den Fotoalben entnommen und sind wie folgt:


 
Gründung des Regiments 23. Mai 1915 bei Blerancourt
Verladung in Appilly 27. Mai 1915
Rappoltsweiler Juni 1915
Vor Arras Ende Juni bis 6. Juli 1915
Am Krähenberg 07. bis 16. Juli 1915
In Munzenheim 17. u. 18. Juli 1915
In Stoßweier 21. Juli bis 1. August 1915
Krähenberg – Pavillonberg August bis September 1915
Schratzmännele – Lingekopf  Oktober 1915
Ostheim  November 1915
Hohrod Dezember 1915
Hausen Weihnachten 1915
Krähenberg – Pavillonberg 3. Januar bis 18. April 1916
Hohrod Mitte April bis Mitte Juli 1916
Hilsenfirst Mitte Juli bis Mitte August 1916
Colmar Mitte bis Ende August 1916
Verlegung nach Siebenbürgen September 1916 bis Februar 1917

Gründung des Regiments

Die deutschen und die österreich-ungarischen Armeen waren im Osten erneut zum Bewegungsfeldzug angetreten, während das deutsche Westheer angespannte Verteidigungkämpfe gegen Joffres Durchbruchsversuche führte. In dieser Lage wurden den Einheiten der Westfront Teile entzogen und zu Neuformationen zusammengefaßt.
Im Verlauf des Feldzuges hatten die Infanterieregimenter 31, 85, 86, 89, 90 (IX. A. K.) und 162,163, Res.76 (IX. Res. Korps) dreizehnte und vierzehnte Kompanien gebildet und sollten je eine oder zwei Kompanien an die Neuformationen abgeben. Die abzugebenden Kompanien wurden Ende Mai im Umkreis von Noyon und Blerancourt zu drei Batallionen zusammengezogen. Am 23. Mai 1915, dem Tage der Kriegserklärung Italiens an die Mittelmächte, trat der Regimentsstab in Noyon zusammen und übernahm Oberstleutnant Olfinius – als Batallionskommandeur bei Tannenberg verwundet – das Kommando über das neue „Königlich Preußische Infanterie Regiment 187“, das zur unbekannten Verwendung zunächst zur Verfügung der Obersten Heeresleitung blieb.
 

               ½ Lazarett 5 in Blerancourt , Sept. 1914 
Brunnen beim Rathaus im Sepr. 1914
Auf dem Schild am Brunnen steht: 
“ Benutzung des Beckens z. Waschen u. Spülen verboten“

 
Der Eingang am 11. Mai 2002
Der Brunnen am 11. Mai 2002

Die Stammkompanien, aus denen sich das neue Regiment zusammensetzte, sind wie folgt:

   1. Kompanie früher 6/31
   2. Kompanie früher 14/85 (mit meinem Vater)
   3. Kompanie früher 13/86
   4. Kompanie früher 14/89
   5. Kompanie früher 13/90
   6. Kompanie früher 14/90
   7. Kompanie früher 2/Res. 76
   8. Kompanie früher 6/Res. 76
   9. Kompanie früher 13/162
 10. Kompanie früher 14/162
 11. Kompanie früher13/163
 12. Kompanie früher 14/163
 M.G. Kompanie früher Feldmaschinengewehrzüge 200 und 201

Die 1. bis 6. Kompanie wurden aus dem IX. A. K. und die Kompanien 7 bis 12 aus dem IX. Res. A. K. herausgelöst.
Die Mannschaften bestanden vorwiegend aus Schleswig-Holsteinern, Hanseaten und Mecklenburgern.
Die Kompanien des neuen Regiments waren sämtlich seit Kriegsbeginn im Fronteinsatz gewesen und genossen zum ersten Male eine längere Zeit wohlverdienter Ruhe. Seiner Zusammensetzung nach war das Regiment gleich von Anfang an eine vollwertige Kampftruppe. Es fehlte jedoch noch die Ausrüstung mit Feldgerät, Fahrzeugen, Pferden und Fernsprechgeräten, fehlte die ganze Maschinengewehr-Kompanie. Zur Ergänzung der Gefechtsbereitschaft und zur Vorbereitung auf seine neuen Aufgabe blieben dem Regiment volle vier Wochen. In den sonnigen Ortschaften der Picardie blieben die Bataillone nur wenige Tage, gerade so lange, wie zum Empfang der Fahrzeuge und des Feldgerätes, zum Verpassen der Pferdegeschirre und zur Marschbereitschaft der Truppe erforderlich waren. Dann trat das Regiment seinen ersten Bahntransport an. Die Verladung erfolgte am 27. Mai auf dem Bahnhof Appilly und der Transport ging ca. 20 km nordnordöstlich von Laon nach Marle.
 
Verladung des Regiments am 27. Mai 
1915 auf dem Bahnhof Appilly

In dessen Umgebung bezogen die Truppen Ruhequartier. In Dercy hatte bereits die in Döberitzformierte Maschinengewehr- Kompanie des Regiments Quartier bezogen. In Laon war inzwischen die Kommandobehörde eingetroffen, zu deren Verband das Regiment fortan gehören sollte: Die 187. Infanterie Brigade, Kommandeur Oberst von Heydebreck. Die neu formierte Brigade bestand aus den Infanterie Regimentern 187, 188 und 189, unterstand zunächst der obersten Heeresleitung und war sodann mit ihren Regimentern wechselnd, meist bayerischen Divisionen unterstellt, bis im Juli 1916 die eigene preußische Inf.-Div. mit der 187. Inf. Brigade und ihren drei Regimentern gebildet wurde.
Im Unterbringungsraum um Marle wurden Karten, Munition und noch fehlende Ausrüstungsgegenstände empfangen. Karten des neuen italienischen Kriegsschauplatzes waren nicht darunter. Somit war der künftige Kampfplatz des Regiments vollkommen unbekannt.
Der Abtransport mit der Bahn wurde durch Brigadebefehl in allen Einzelheiten vorbereitet und sollte auf das poetische Stichwort „Sommernachtstraum“ erfolgen. Dieses geheimnisvolle Stichwort trat bereits in der Nacht vom 2. zum 3. Juni in Wirkung. Das Regiment wurde wieder verladen und trat seine zweite Reise in eine friedliche Vogesenlandschaft an, wo die Truppe noch zwei schöne Wochen fleißiger Vorbereitung und friedlicher Muße beschieden waren. In der Nacht zum und in der Frühe des 4. Juni kamen nacheinander die Bataillone auf dem Bahnhof in Rappoltsweiler an. Es wurden untergebracht: Regimentsstab, I. und II. Bataillon In Rappoltsweiler, III. Bat. in Bergheim, M.G.K. in Rohrschweier.
In den weinbelaubten Tälern und den bewaldeten Bergen wurden Felddienstübungen als Vorbereitung für den Gebirgskrieg abgehalten. Vom Kriegsschauplatz drang nur ferner Kanonendonner herüber. Nur einmal spürte man unmittelbar die Wirkung der Vogesenkämpfe, wo die Franzosen unter General de Mand Huy den Verlust des Reichsackerkopfes und des Hartmannsweilerkopfes wettzumachen suchten, im großen Fechttal und am Sattel vorstießen und den deutschen Verteidigern Steinabrück und Metzeral entrissen, im übrigen aber auf den Hängen des Reichsacker- und Sattelkopfes liegen blieben. Das Regiment wurde in der Nacht vom 15. zum 16. Juni vorübergehend alarmiert, aber nicht eingesetzt. Führer und Mannschaften lernten sich kennen, tummelten sich im Gelände und freuten sich in den sonnigen Sommertagen des gesegneten Landes.

Am 18. Juni hatte die schöne Zeit ein Ende. „Sommernachtstraum“ trat wieder in Kraft; das Regiment wurde in der Morgenfrühe am Bahnhof Rappoltsweiler verladen. Der lange Transport führte auf den Kanonendonner von Arras zu. Am 19. Juni rollten die Züge durch Cambrai und Douai und wurden südwestlich von Douai auf dem kleinen Bahnhof in Corbehem entladen, wo Truppentransporte gerade von feindlichen Fliegern bombardiert wurden. Es bezogen Unterkunft: Regimentsstab, I. Bat., ½ III. Bat. in Sailly-en-Ostrevent, M.G.K. ebendort, II. Bat. und ½ III. Bat. in Hamblain-les-Près. Der Regimentskommandeur und die Bataillonskommandeure wurden zwar in den zwischen Thelus und Neiville verlaufenden Stellungsabschnitt eingewiesen, aber es kam zu keiner Verwendung des Regiments. Schon in der Nacht hieß es „Sommernachtstraum zurück“. Regimentsstab, M.G.K., II. und III. Bat. wurden auf Bahnhof Vitry verladen und rollten, als im Morgengrauen der Kanonendonner anschwoll, wieder von dannen. Nur das I. Bat. blieb vorübergehend zur Verfügung der 1. bayerischen Res. Div. zurück, wurde aber nur zum Bau der zweiten Linie herangezogen und stieß am 7. Juli wieder zum Regiment, als dieses bereits in erbitterten Stellungskämpfen verstrickt war.
 

Transport des I. Bataillons von Arras in die Vogesen.
6. Juli 1915, auf dem Bahnhof Cambrai

„Sommernachtstraum zurück“ hatte das Stichwort für den Bahntransport gelautet. Die Bataillone rollten auch tatsächlich wieder in dieselbe Richtung, aus der sie vor wenigen Tagen gekommen waren. Straßburg wurde passiert und bei der Einfahrt in den Bahnhof von Rappoltsweiler erscholl fröhlicher Gesang, verstummte aber langsam, als die Züge dieses Mal nicht zum Entladen anhielten. Am Morgen des 23. Juni wurde der Regimentsstab und M.G.K. in Colmar ausgeladen. Das III. Bat. folgte. Das II. Bat. war bereits voraus transportiert und in Weier im Tal ausgeladen worden. Der Ernst begann.
 

Fortsetzung
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