Vorwort
Unser älterer Sohn hatte seinen Führerschein gemacht und
er
sollte nun etwas Praxis bekommen. Aus diesem Grunde planten wir
über
die Ostertage 1975 eine Reise ins Elsaß. So kamen wir mehr
zufällig
als gewollt auch zum Lingekopf. Wir waren erstaunt, dort noch gut
erhaltene
Grabenstellungen mit gepflegten Laufwegen und Hinweisschildern zu
finden.
Das „Memorial du Linge 1915“ bestand noch nicht. Wir gingen an und in
den
Gräben, als unsere beiden Söhne kamen und sagten: „Vati, wir
haben ein Grabenschild gefunden, auf dem steht die Einheit Deines
Vaters.“
Ich wurde neugierig, wußte ich doch aus der von meinem Vater
heraus
gegebenen Regimentsgeschichte „Die 187er im Felde“
und den 6 Fotoalben über den ersten Weltkrieg, dass er in den
Vogesen
gewesen war. Meine Frau und ich ließen uns von unseren
Söhnen
hinführen.
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Wir besuchten den Lingekopf immer mal wieder. Als wir nach einem
längeren
Zeitabschnitt im Juli 1982 wieder hinkamen, fanden wir nunmehr das
„Memorial“
vor und ich sprach mit dem am 03. Januar 1989 verstorbenen Monsieur
Fernand
Bossharth. Seitdem bin ich in Kontakt mit den Mitgliedern des
Memorials.
So wurde im Herbst 1989 mit Monsieur Norbert Fleckinger, Colmar,
telefonisch
besprochen, dass ich als Hamburger den deutschen Text für das
Tonband
der DIA-Schau sprechen solle, weil das IR 187 hauptsächlich aus
Norddeutschen
bestand.
Herr Fleckinger hat dann nach der DIA-Schau einen Videofilm gestaltet
und den später noch einmal überarbeitet, wobei er den Film
dem
1989 gesprochenen Text anpassen konnte.
Bei unseren weiteren Besuchen, jedes Jahr mindestens einmal, konnten
wir sehen, dass eigentlich zu jeder Jahreszeit interessierte Besucher
anzutreffen
waren und das Museum nach und nach zu einem attraktiven
Informationszentrum
ausgebaut wurde.
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Angeregt durch die sehr gute Homepage von Alexander Kallis kam mir der Gedanke, diese Homepage mit der Historie des „Königlich Preußischen Infanterie Regiments 187“ von der Gründung 1915, den Einsätzen in den Vogesen bis zur Verlegung nach Rumänien zu ergänzen. Hierfür habe ich die Aufzeichnungen von Rittmeister d. Res. Barandon und Hauptmann Dose im Buch „Die 187er im Felde“ verwendet und mit gescannten Aufnahmen aus den schon erwähnten Kriegsalben meines Vaters ergänzt. Die in den Berichten zitierten Gefechtsberichte und Tagesbefehle habe ich wörtlich übernommen und zur Kennzeichnung in kursiv geschrieben.
Der Kriegsbeginn
Als der Krieg am 3. August 1914 zwischen Deutschland und Frankreich
ausbrach, gelang es in den ersten Kriegstagen einer französischen
Kavallerie Patrouille bis nach Colmar vorzu-stoßen. Die
nachstehenden
Fotos zeigen die Patrouille auf der Rufacher Straße, wie sie 1914
hieß. (Die Fotos machte Severin Schoy in Colmar)
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Die Patrouille zog sich, soweit bekannt, unbehelligt wieder bis zum
Grenzkamm zurück. Die darauf folgenden Truppenbewegungen der
französischen
Armee und der deutschen Gegenmaßnahmen sind in der „Chronologie
der
Vogesenkämpfe 1914 – 1918“ der Homepage von Alexander Kallis
ausführlich
beschrieben.
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Die Daten der einzelnen Einsätze und Ruhestellungen wurden den Fotoalben entnommen und sind wie folgt: |
| Gründung des Regiments | 23. Mai 1915 bei Blerancourt |
| Verladung in Appilly | 27. Mai 1915 |
| Rappoltsweiler | Juni 1915 |
| Vor Arras | Ende Juni bis 6. Juli 1915 |
| Am Krähenberg | 07. bis 16. Juli 1915 |
| In Munzenheim | 17. u. 18. Juli 1915 |
| In Stoßweier | 21. Juli bis 1. August 1915 |
| Krähenberg – Pavillonberg | August bis September 1915 |
| Schratzmännele – Lingekopf | Oktober 1915 |
| Ostheim | November 1915 |
| Hohrod | Dezember 1915 |
| Hausen | Weihnachten 1915 |
| Krähenberg – Pavillonberg | 3. Januar bis 18. April 1916 |
| Hohrod | Mitte April bis Mitte Juli 1916 |
| Hilsenfirst | Mitte Juli bis Mitte August 1916 |
| Colmar | Mitte bis Ende August 1916 |
| Verlegung nach Siebenbürgen | September 1916 bis Februar 1917 |
Gründung des Regiments
Die deutschen und die österreich-ungarischen Armeen waren im
Osten
erneut zum Bewegungsfeldzug angetreten, während das deutsche
Westheer
angespannte Verteidigungkämpfe gegen Joffres Durchbruchsversuche
führte.
In dieser Lage wurden den Einheiten der Westfront Teile entzogen und zu
Neuformationen zusammengefaßt.
Im Verlauf des Feldzuges hatten die Infanterieregimenter 31, 85, 86,
89, 90 (IX. A. K.) und 162,163, Res.76 (IX. Res. Korps) dreizehnte und
vierzehnte Kompanien gebildet und sollten je eine oder zwei Kompanien
an
die Neuformationen abgeben. Die abzugebenden Kompanien wurden Ende Mai
im Umkreis von Noyon und Blerancourt zu drei Batallionen
zusammengezogen.
Am 23. Mai 1915, dem Tage der Kriegserklärung Italiens an die
Mittelmächte,
trat der Regimentsstab in Noyon zusammen und übernahm
Oberstleutnant
Olfinius – als Batallionskommandeur bei Tannenberg verwundet – das
Kommando
über das neue „Königlich Preußische Infanterie Regiment
187“, das zur unbekannten Verwendung zunächst zur Verfügung
der
Obersten Heeresleitung blieb.
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Auf dem Schild am Brunnen steht: “ Benutzung des Beckens z. Waschen u. Spülen verboten“ |
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Die Stammkompanien, aus denen sich das neue Regiment zusammensetzte, sind wie folgt:
1. Kompanie früher 6/31
2. Kompanie früher 14/85 (mit meinem Vater)
3. Kompanie früher 13/86
4. Kompanie früher 14/89
5. Kompanie früher 13/90
6. Kompanie früher 14/90
7. Kompanie früher 2/Res. 76
8. Kompanie früher 6/Res. 76
9. Kompanie früher 13/162
10. Kompanie früher 14/162
11. Kompanie früher13/163
12. Kompanie früher 14/163
M.G. Kompanie früher Feldmaschinengewehrzüge 200 und
201
Die 1. bis 6. Kompanie wurden aus dem IX. A. K. und die Kompanien 7
bis 12 aus dem IX. Res. A. K. herausgelöst.
Die Mannschaften bestanden vorwiegend aus Schleswig-Holsteinern,
Hanseaten
und Mecklenburgern.
Die Kompanien des neuen Regiments waren sämtlich seit Kriegsbeginn
im Fronteinsatz gewesen und genossen zum ersten Male eine längere
Zeit wohlverdienter Ruhe. Seiner Zusammensetzung nach war das Regiment
gleich von Anfang an eine vollwertige Kampftruppe. Es fehlte jedoch
noch
die Ausrüstung mit Feldgerät, Fahrzeugen, Pferden und
Fernsprechgeräten,
fehlte die ganze Maschinengewehr-Kompanie. Zur Ergänzung der
Gefechtsbereitschaft
und zur Vorbereitung auf seine neuen Aufgabe blieben dem Regiment volle
vier Wochen. In den sonnigen Ortschaften der Picardie blieben die
Bataillone
nur wenige Tage, gerade so lange, wie zum Empfang der Fahrzeuge und des
Feldgerätes, zum Verpassen der Pferdegeschirre und zur
Marschbereitschaft
der Truppe erforderlich waren. Dann trat das Regiment seinen ersten
Bahntransport
an. Die Verladung erfolgte am 27. Mai auf dem Bahnhof Appilly und der
Transport
ging ca. 20 km nordnordöstlich von Laon nach Marle.
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Verladung des Regiments am 27.
Mai
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1915 auf dem Bahnhof Appilly |
In dessen Umgebung bezogen die Truppen Ruhequartier. In Dercy hatte
bereits die in Döberitzformierte Maschinengewehr- Kompanie des
Regiments
Quartier bezogen. In Laon war inzwischen die Kommandobehörde
eingetroffen,
zu deren Verband das Regiment fortan gehören sollte: Die 187.
Infanterie
Brigade, Kommandeur Oberst von Heydebreck. Die neu formierte Brigade
bestand
aus den Infanterie Regimentern 187, 188 und 189, unterstand
zunächst
der obersten Heeresleitung und war sodann mit ihren Regimentern
wechselnd,
meist bayerischen Divisionen unterstellt, bis im Juli 1916 die eigene
preußische
Inf.-Div. mit der 187. Inf. Brigade und ihren drei Regimentern gebildet
wurde.
Im Unterbringungsraum um Marle wurden Karten, Munition und noch
fehlende
Ausrüstungsgegenstände empfangen. Karten des neuen
italienischen
Kriegsschauplatzes waren nicht darunter. Somit war der künftige
Kampfplatz
des Regiments vollkommen unbekannt.
Der Abtransport mit der Bahn wurde durch Brigadebefehl in allen
Einzelheiten
vorbereitet und sollte auf das poetische Stichwort „Sommernachtstraum“
erfolgen. Dieses geheimnisvolle Stichwort trat bereits in der Nacht vom
2. zum 3. Juni in Wirkung. Das Regiment wurde wieder verladen und trat
seine zweite Reise in eine friedliche Vogesenlandschaft an, wo die
Truppe
noch zwei schöne Wochen fleißiger Vorbereitung und
friedlicher
Muße beschieden waren. In der Nacht zum und in der Frühe des
4. Juni kamen nacheinander die Bataillone auf dem Bahnhof in
Rappoltsweiler
an. Es wurden untergebracht: Regimentsstab, I. und II. Bataillon In
Rappoltsweiler,
III. Bat. in Bergheim, M.G.K. in Rohrschweier.
In den weinbelaubten Tälern und den bewaldeten Bergen wurden
Felddienstübungen
als Vorbereitung für den Gebirgskrieg abgehalten. Vom
Kriegsschauplatz
drang nur ferner Kanonendonner herüber. Nur einmal spürte man
unmittelbar die Wirkung der Vogesenkämpfe, wo die Franzosen unter
General de Mand Huy den Verlust des Reichsackerkopfes und des
Hartmannsweilerkopfes
wettzumachen suchten, im großen Fechttal und am Sattel
vorstießen
und den deutschen Verteidigern Steinabrück und Metzeral entrissen,
im übrigen aber auf den Hängen des Reichsacker- und
Sattelkopfes
liegen blieben. Das Regiment wurde in der Nacht vom 15. zum 16. Juni
vorübergehend
alarmiert, aber nicht eingesetzt. Führer und Mannschaften lernten
sich kennen, tummelten sich im Gelände und freuten sich in den
sonnigen
Sommertagen des gesegneten Landes.
Am 18. Juni hatte die schöne Zeit ein Ende. „Sommernachtstraum“
trat wieder in Kraft; das Regiment wurde in der Morgenfrühe am
Bahnhof
Rappoltsweiler verladen. Der lange Transport führte auf den
Kanonendonner
von Arras zu. Am 19. Juni rollten die Züge durch Cambrai und Douai
und wurden südwestlich von Douai auf dem kleinen Bahnhof in
Corbehem
entladen, wo Truppentransporte gerade von feindlichen Fliegern
bombardiert
wurden. Es bezogen Unterkunft: Regimentsstab, I. Bat., ½ III.
Bat.
in Sailly-en-Ostrevent, M.G.K. ebendort, II. Bat. und ½ III.
Bat.
in Hamblain-les-Près. Der Regimentskommandeur und die
Bataillonskommandeure
wurden zwar in den zwischen Thelus und Neiville verlaufenden
Stellungsabschnitt
eingewiesen, aber es kam zu keiner Verwendung des Regiments. Schon in
der
Nacht hieß es „Sommernachtstraum zurück“. Regimentsstab,
M.G.K.,
II. und III. Bat. wurden auf Bahnhof Vitry verladen und rollten, als im
Morgengrauen der Kanonendonner anschwoll, wieder von dannen. Nur das I.
Bat. blieb vorübergehend zur Verfügung der 1. bayerischen
Res.
Div. zurück, wurde aber nur zum Bau der zweiten Linie herangezogen
und stieß am 7. Juli wieder zum Regiment, als dieses bereits in
erbitterten
Stellungskämpfen verstrickt war.
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Transport des I. Bataillons
von Arras in
die Vogesen.
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6. Juli 1915, auf dem Bahnhof Cambrai |
„Sommernachtstraum zurück“ hatte das Stichwort für den
Bahntransport
gelautet. Die Bataillone rollten auch tatsächlich wieder in
dieselbe
Richtung, aus der sie vor wenigen Tagen gekommen waren. Straßburg
wurde passiert und bei der Einfahrt in den Bahnhof von Rappoltsweiler
erscholl
fröhlicher Gesang, verstummte aber langsam, als die Züge
dieses
Mal nicht zum Entladen anhielten. Am Morgen des 23. Juni wurde der
Regimentsstab
und M.G.K. in Colmar ausgeladen. Das III. Bat. folgte. Das II. Bat. war
bereits voraus transportiert und in Weier im Tal ausgeladen worden. Der
Ernst begann.
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