Das 8. Württembergische Infanterie Regiment Nr.126
"Großherzog Friedrich von Baden"
1914-1918

Seit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 nahm das 8. Infanterie Regiment unter den Truppen des Königreichs Württemberg eine Sonderstellung ein. Ursprünglich in Gmünd und Ludwigsburg stationiert, kehrte das Regiment nach Beendigung der Kämpfe nicht mehr ins Königreich Württemberg zurück, sondern wurde am 18.12.1871 in das XV. Armeekorps eingegliedert und erhielt fortan Straßburg im Elsaß als Garnisonstadt. Dort fand das Regiment in der Margaretenkaserne ein neues Zuhause.
 

Zu Beginn des Weltkrieges stehen die "Achter" unter dem Kommando des Oberst Paul von Schimpf.
Die ersten Kriegswochen erlebt das Regiment im Verband seiner Friedensgliederung:

7. Armee (Generaloberst v. Heeringen)
 XV. Armeekorps (General der Infanterie v. Deimling)
   39. Infanterie Division (Generalleutnant Frhr. v. Watter)
     61. Infanterie Brigade (Generalmajor von Frankenberg und Ludwigsdorf), mit I.R.132 und Jäg.Btl.8

Bereits mit der Mobilmachung und den darauffolgenden Tagen (02.08.1914-07.08.1914) werden Teile des Regiments im Bahnschutz eingesetzt (Region Schlettstadt, Molsheim, Zabern). Da die Festung Straßburg zum Operationsgebiet erklärt wird, wird das Ersatzbataillon des Regiments in Zuffenhausen aufgestellt. Am 08.08.1914 wird dann das gesamte Regiment verladen und nach Colmar transportiert, von wo es zu Fuß in Richtung Mülhausen geht.
Die ersten Kämpfe (Feuertaufe) bestehen die "Großherzog Friedrich Musketiere" am 09.08.1914 bei Sennheim (heute Cernay). Am 10.08.1914 werden vom Regiment die ersten französischen Kanonen des Weltkrieges erbeutet, was die heimische Propaganda entsprechend feiert.
 

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Nach weiteren Kämpfen im Elsaß und in Lothringen (Schlacht in Lothringen, 20. bis 22. August 1914/ Schlacht vor Nancy-Epinal 22. August bis 14. September 1914) verlegt das Regiment zunächst an die Aisne Front, wo es am Damenweg und bei Craonne kämpft. Der Oktober 1914 sieht die 126 ´er dann als Teil der Armeegruppe von Fabeck in Flandern, wo am 06.11.1914, nahe Schloß Hollebeke, der Kommandeur, Oberst von Schimpf, durch Kopfschuß fällt (sein Grab ist noch heute auf der Kriegsgräberstätte in Strasbourg-Cronenbourg zu finden). An diesem schwarzen Tag, sowie in den nächsten Wochen erleidet das Regiment beim wiederholt vergeblichen Anrennen gegen die englischen Stellungen entsetzliche Verluste. Am 09.11.1914 wird Oberst Glück (vormals I.R.121) zum neuen Regimentskommandeur ernannt.

Ende November stößt die 39. Infanterie Division und mit ihr das Regiment 126 zur 4. Armee (Herzog Albrecht von Württemberg), unterer deren Befehl sie bis in den Januar 1916 stehen wird. Das ganze Jahr 1915 hindurch führen die "Achter" Stellungskämpfe in Flandern. Hinter der Regimentsstellung bei Ypern entseht ab dem Frühjahr 1915 der "Waldfriedhof", den Offizierstellvertreter Weber in seinem Gedicht "Waldfriedhof in Flandern" beschreibt.


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Als am 19.07.1915, 8.10 Uhr abends, englische Truppen bei Hooge mit einer gewaltigen Minensprengung die deutschen Stellungen in die Luft jagen, steht das Regiment erneut im Mittelpunkt des Geschehens: über 100 Mann der 7. und 8. Kompanie werden getötet oder verschüttet. Der Krater, an dessen stelle sich heute das Hooge-Krater-Museum befindet, hat bis zu diesem Zeitpunkt des Krieges ungeahnte Ausmaße:
Tiefe 12 m, Durchmesser 40 m. Der gewaltige Erdauswurf hat die umliegenden Gräben bis in 80m Enfernung ganz oder teilweise zugeschüttet. Bis zum 29.07.1915 steht das Regiment im Kampf um den Trichter.
Die Wege und Taten der "Achten Schwaben" von Straßburg bis nach Flandern zeichnet Hoboist Rieß in einem Gedicht nach, welches er am 25.02.1915, anlässlich der Geburtstagsfeier des Württembergischen Königs Wilhelm II., dem Regiment widmete.
 

"Die Schwäbische Wacht"
Dem Infanterie Regiment 126 zum 25. Februar 1915 


Die folgende Tabelle zeichnet in aller Kürze die weiteren Einsatzorte des Regiments
bis kurz vor Kriegsende nach:


17.01.1916
-17.10.1916
An der Front östlich Verdun
Stellungskämpfe bei Blanzée
3 Einsätze bei Fort Vaux
Stellungskämpfe bei Blanzée
5.Armee (Kronprinz des Deutschen Reiches)
17.10.1916
-18.11.1916
An der Somme
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht von Bayern
19.11.1916
-23.12.1916
An der Nordfront von Verdun
5.Armee (Heeresgruppe Deutscher Kronprinz)
23.12.1916
-24.04.1917
In der Ostchampagne
Stellungskämpfe am Kanonenberg 
und am Kreuzberg
3.Armee 
26.04.1917
-05.07.1917
In der Gegend von Rethel und nordöstlich Reims
1.Armee
06.07.1917
-13.10.1917
Im Artois
6.Armee (Frhr. von Falkenhausen)
14.10.1917
-20.11.1917
In der Flandernschlacht
4.Armee (Sixt von Armin)
24.11.1917
-20.03.1918
Im Artois und 
Aufmarsch zur großen Schlacht in Frankreich
6.Armee (von Quast)
21.03.1918
-11.04.1918
Bei der großen Schlacht in Frankreich
Durbruchschlacht Monchy-Cambrai
Schlacht bei Bapaume
17.Armee (O. von Below)
12.04.1918
-22.07.1918
Im Artois
6.Armee (von Quast)
23.07.1918
-19.09.1918
Kämpfe zwischen Arras und Albert
Schlacht bei Monchy-Bapaume
17.Armee (O. von Below)

 

Am 18.03.1916 feiert das Regiment seinen 200. Geburtstag

Rückzugsgefechte,Kriegsende und Rückmarsch:

Nachdem die am 21.03.1918 eröffnete "Große Schlacht in Frankreich" deutscherseits trotz des größtmöglichen Einsatzes an Mensch und Materieal (192 Divisionen, über 3,6 Millionen Soldaten, 710000 Pferde, 14000 Geschütze und etwa 100 Tanks) und trotz anfänglicher großer Geländegewinne nicht den erhofften kriegsentscheidenden Durchbruch erbringt, erstarrt die Front erneut. Im steten Wechsel mit anderen kriegserfahrenen und bereits erheblich aufgeriebenen Regimentern ist das Regiment 126 im Sommer 1918 nahezu pausenlos im Kampfeinsatz. Im September 1918 beginnt dann die Phase des Krieges, die man später als "Rückzugskämpfe" bezeichnen sollte. Im Verband seiner 39. Infanterie Division verlegt auch das I.R. 126 schrittweise, beginnend in der Region um Ypern, immer "nahe am Feind" von einer strategisch wichtigen Position zur nächsten zurück, folgende Skizze zeichnet diesen Weg nach.


(Moser, 1927, S.737)

Nachdem bereits am 04.09.1918 bedingt durch den Mangel an einsatzfähigen Soldaten die Kompanien 3,8 und 9 aufgelöst wurden, beträgt die Frontstärke des Regiments am 20. Oktober noch 10 Offiziere, 33 Unteroffiziere und 174 Mann! Die Nachricht vom Waffenstillstand erreicht das Regiment dann in Assche bei Brüssel. Der Rückmarsch in die Heimat beginnt. Über Kerbergen, Hermalle, Neuschateau, Aachen, und Düsseldorf wird am 27.11.1918 Hamm erreicht. Von dort geht es am 01.12.1918 weiter nach Münster. Während eine Abordnung des Regiments zu den Einzugsfeierlichkeiten nach Berlin entsandt wird, beginnt für die restlichen Soldaten am 06.11.1918 der Bahntransport nach Zuffenhausen, dem Standort des Ersatz-Bataillons. Dort treffen erste Teile des Regiments am 08.12.1918 um 4.00 Uhr früh ein. Nach einer letzten Parade am 12.12.1918 beginnt am 13.12.1918 die Demobilmachnung, die am 10.01.1919 beendet ist. An diesem Tag endet somit auch die über 200 Jahre zählende Geschichte des 8.Württembergischen Infanterie Regiments Nr. 126 "Großberzog Friedrich von Baden".
 


Das Ehrenmal der 126´er auf dem
Waldfriedhof in Stuttgart.
Foto: Götz Mack
Die Verlustlisten des Regiments 
verzeichnen 5011 Gefallene 1914-1918

 



 
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